Wann ein Bußgeld gilt - Warum fahren immer alle auf der Mittelspur?
Jeder kennt es und es nervt: Die ganze Autobahn ist frei, keine Laster oder langsamen Fahrzeuge, die überholt werden müssen, und trotzdem fahren alle in der Mitte – ununterbrochen.
Aber: Darf man die Mittelspur überhaupt dauerhaft befahren? Und wenn nicht: Können die Mittelspur-Schleicher zur Ordnung gerufen werden? BILD weiß Bescheid!
Wer überholen will oder muss, darf dazu natürlich auf die Mittelspur fahren. Prinzipiell aber gilt auch auf dreispurigen Autobahnen immer das Rechtsfahrgebot.
Ausnahmen davon gibt es nur bei hohem Verkehrsaufkommen. Im Gesetz heißt es dazu: „Auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung dürfen Kraftfahrzeuge von dem Gebot, möglichst weit rechts zu fahren, abweichen, wenn die Verkehrsdichte das rechtfertigt.“
Wenn auf einer der linken Fahrspuren der Verkehr steht oder sehr langsam fährt, kann mit geringer Geschwindigkeit sogar rechts überholt werden.
Nach dem Überholen müssen Sie sich so bald wie möglich wieder auf die rechte Spur einordnen, schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, also in dem Moment, in dem Sie das überholte Fahrzeug beim Spurwechsel nicht mehr behindern.
Davon gibt es eine Ausnahme: Es ist bei drei oder noch mehr Spuren auch erlaubt, durchgängig auf der mittleren Fahrbahn zu bleiben, wenn – „auch nur hin und wieder“ – rechts ein Fahrzeug fährt oder hält.
So steht es in der StVO Paragraf 7 Absatz 3c . Permanente Mittelspur-Schleicher aber legen diese Vorschrift oft zu großzügig aus: „nur hin und wieder“ heißt nicht, dass man auf der mittleren Spur bleiben darf, nur weil am Horizont vielleicht ein anderes Auto zu sehen ist.
Wer das Rechtsfahrgebot missachtet und andere dabei gefährdet, kann mit einem Bußgeld von 80 Euro bestraft werden. Dazu gibt es einen Punkt in Flensburg. Verursacht man dabei einen Unfall, sind es 100 Euro Bußgeld und ein Flensburg-Punkt.
Wenn Sie selbst einen Mittelspur-Schleicher der Polizei melden wollen, ist das nur sinnvoll, wenn Sie auch den Fahrer beschreiben und identifizieren können.
Der Verstoß muss einer konkreten Person nachgewiesen werden. Anzeigen, die sich nur auf ein bestimmtes Autokennzeichen stützen, laufen meist ins Leere.
Neben einfacher Bequemlichkeit nennen Psychologen oft Angst oder Unsicherheit als Motiv, permanent auf der Mittelspur zu bleiben.
Oft handelt es sich um unerfahrene oder wenig routinierte Fahrer, die jeden Spurwechsel als Stresssituation empfinden.
Gerade unsichere Fahrer glauben, von der Mittelspur aus besser möglichen Hindernissen ausweichen zu können. Dabei übersehen sie, dass sie selbst zum Hindernis werden.
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