„Gastarbeiter haben uns stärker gemacht“ - Warum Wüst die deutschen Türken feiert
Düsseldorf – In Berlin tobt die Debatte um den wackelnden Kanzler, in Düsseldorf feiert sein möglicher Nachfolger öffentlichkeitswirksam das große Jubiläum der Gastarbeiter in Deutschland. Auffällig oft engagiert sich der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (51) für deutsch-türkische Themen. Damit zeigt er nicht nur Beispiele für gelungene Integration – der CDU-Spitzenpolitiker erweitert so auch seine Machtoptionen.
Anlass für den großen Auftritt von Wüst ist der Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, mit dem in der Nachkriegszeit dringend benötigte Arbeitskräfte für Bergbau und Industrie in die noch junge Bundesrepublik geholt wurden. Am Düsseldorfer Flughafen trifft er sich mit rund 250 Nachfahren der ersten 55 Gastarbeiter , die dort vor 65 Jahren aus der Türkei ankamen.
„Die Kinder und Enkelkinder der damaligen Gastarbeiter sind heute Lehrerinnen, Polizisten, Unternehmer, Vereinsvorsitzende“, sagt Wüst. Ihr Beitrag sei „Teil der Geschichte unseres Landes. Sie haben unser Land vielfältiger, offener und stärker gemacht.“ Trotzdem hätten viele noch „das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören“. Das müsse sich ändern, mahnte Wüst: „Erst wenn der Name, die Hautfarbe und die Religion keine Rolle spielen – dann sind wir am Ziel.“
Es ist der bisherige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Auftritten bei der deutsch-türkischen Community. Zuvor hatte Wüst etwa den türkischen Superstar Tarkan (53, „Şikidim“) bei seinem Konzert in Dortmund besucht, mit TV-Koch Nelson Müller (47) brutzelte er bei der „Woche der türkischen Küche“. Im Mai traf sich Wüst mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan (58) in Berlin. Für den Herbst ist noch eine Delegationsreise des NRW-Chefs in die Türkei geplant.
„Es ist nicht zu übersehen, dass sich Wüst öfter als andere Spitzenpolitiker mit Türkei-bezogenen Themen positioniert“, sagt Politik-Professor Oliver Lembcke (57, Ruhr-Uni Bochum). „Und das macht er nicht nur wegen der Landtagswahl in NRW. Er hält sich damit weitere Machtoptionen offen.“
Gerade in den NRW-Großstädten von Duisburg bis Köln sind die Deutsch-Türken ein Machtfaktor. Nach Angaben der Landesregierung haben rund 1 Million Einwohner einen türkischen Hintergrund. Dazu hatte die noch unter der Ampel-Regierung eingeführte Staatsbürgerschaftsreform zu einem deutlichen Anstieg der Einbürgerungen von Türken geführt, die damit auch wahlberechtigt sind. Knapp 17.000 waren es 2025 allein in NRW. Jede Stimme zählt: Bei der Wahl im Frühjahr muss Hendrik Wüst einen deutlichen Sieg einfahren, um sich als möglicher Merz-Nachfolger zu empfehlen.
Lange wählten türkischstämmige Deutsche traditionell vor allem die SPD – „das hat sich aus denselben Gründen geändert, weshalb die SPD auch insgesamt Wähler verliert“, sagt Lembcke. „Sie ist gerade den gut integrierten Deutsch-Türken in weiten Teilen zu links und zu ,woke‘ geworden.
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