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Kaugummiautomaten: „Solange wir Münzgeld und Kinder haben, so lange wird es sie geben“

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Kaugummiautomaten: „Solange wir Münzgeld und Kinder haben, so lange wird es sie geben“

Das Wort „Kindheitserinnerung“ fällt fast zwangsläufig, wenn die Rede auf die meist rot-weißen, manchmal auch andere Farben tragenden Kaugummiautomaten kommt. Ob Boomer oder Generation X, Y und Z: Wenn das erste Taschengeld ausgezahlt wurde, waren die Automaten oft die nächste Gelegenheit, in kleiner Münze das Prinzip Ware gegen Geld auszuprobieren. Wobei an jenen Automaten, in denen statt bunter Kaugummikugeln glitzernde Plastikschätze warteten, noch die Spannung hinzukam, was wohl in der Kugel steckte, die klackernd in das Ausgabefach fiel.

Aber Kaugummiautomaten sind nicht nur nostalgische Erinnerung. Es gibt sie noch, auch wenn ihre Zahl abnimmt. Sogar auf Google Maps werden welche angezeigt, wenn man mit dem Kartendienst nach Kaugummiautomaten in Frankfurt sucht. „Rund um die Uhr geöffnet“, steht treffend dabei, und sogar Rezensionen haben Scherzbolde verfasst: „Wer unkompliziert guten Kaugummi im Herzen von Frankfurt sucht, ist hier genau richtig“, heißt es für den Automaten am Lokalbahnhof. Verlass ist auf die Liste allerdings nicht. Mindestens einer scheint nicht mehr befüllt zu werden, und natürlich gibt es in Frankfurt viel mehr als die angezeigten vier Standorte. In den sozialen Medien finden sich Fotoserien mit Dutzenden Automaten im ganzen Stadtgebiet.

An einigen Stellen, wo vor wenigen Jahren noch Kaugummiautomaten hingen, sind sie allerdings verschwunden. Manchmal ist das Haus, an dem sie befestigt waren, durch ein neues ersetzt worden. Andere wurden aufgegeben und sind in entsprechend schlechtem Zustand. In der jüngsten Stadtverordnetensitzung hatte sich Sylvia Kunze (SPD) erkundigt, was denn mit kaputten und verschmutzten Exemplaren passiere, bei denen sich nicht ermitteln lasse, wer für die Pflege verantwortlich sei. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) verwies auf die Behördennummer 115 und das Amt für Straßenbau und Erschließung.

Wer den öffentlichen Raum in Frankfurt nutzen will, benötigt eine Genehmigung, und für Sondernutzungen ist das Straßenbauamt zuständig. Doch wie sich herausstellt, lässt sich für Kaugummiautomaten gar keine beantragen. „In Frankfurt am Main sind Verkaufsautomaten grundsätzlich nicht erlaubnisfähig“, lautet die Auskunft von Amtsleiter Eike Rothauge. Das sei nicht neu, sondern schon seit einer früheren Fassung der Sondernutzungssatzung aus dem Jahr 2002 so.

Dahinter stehen weder hygienische Bedenken noch die Sorge, Kinder könnten ein Fall für die Schuldnerberatung werden, weil sie ihr gesamtes Taschengeld in den Einwurfschlitzen versenken. Grund sei allein „die Begrenztheit des öffentlichen Straßenraums“, so der Amtsleiter. 40 Automaten hat das Straßenbauamt nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren abgebaut. Die Automaten sind hingegen keineswegs verboten, wenn sie auf Privatgrund stehen.

Magnus Baumgart könnte in diesem Jahr Jubiläum feiern. Vor genau 60 Jahren hat er angefangen, als Ergänzung zu seinem Lebensmittelladen Automaten in Frankfurt und Offenbach aufzustellen. „Früher gab es im Raum Frankfurt noch drei oder vier Kollegen, doch sie haben aufgegeben oder sind verstorben“, sagt Baumgart, der vor Kurzem 85 Jahre alt geworden ist.

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