Israel: 1838 hat Großbritannien ein Konsulat in Jerusalem eröffnet. Jetzt ist Schluss
Großbritannien hat auf Druck Israels sein fast 200 Jahre altes Konsulat in Ostjerusalem formell geschlossen. Israel hatte der Regierung in London dafür eine 30-tägige Frist gesetzt, die am Donnerstag ablief. Auslöser für Israels Vorstoß war, dass Großbritannien Sanktionen gegen israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland verhängt hatte. Unter anderem geht es dabei um ein Handelsverbot für in dem Palästinensergebiet hergestellte Waren. Die Regierung in London teilte mit, die Arbeit in dem Konsulatsgebäude werde in kleinerem Umfang und unter dem Namen »UK Mission« weitergeführt. Diese Maßnahme gilt als Kompromiss, mit dem eine größere diplomatische Krise zwischen den beiden Verbündeten abgewendet werden soll.
Das Konsulat in Ostjerusalem hatte seine Arbeit 1839 aufgenommen – also lange vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948.
Die Vertretung war bis zuletzt für die Beziehungen Großbritanniens zu den Palästinensern in Jerusalem, im Westjordanland sowie im Gazastreifen zuständig und auch ihr Ansprechpartner für konsularische Dienste. Die britische Botschaft in Tel Aviv ist von der jüngsten Maßnahmen nicht betroffen. Die formelle Schließung des Konsulats ist ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und Großbritannien.
1 Min Zur Merkliste hinzufügen meinung meinung • Siedlungen im Westjordanland: Israel isoliert sich mit seiner Politik selbst Ein Kommentar von Juliane von Mittelstaedt 4 Min Zur Merkliste hinzufügen 4 Min Zur Merkliste hinzufügen Die britische Regierung hat Israel wiederholt wegen dessen Vorgehens im Gazakrieg und wegen der Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland kritisiert. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu befindet sich mit seiner teils rechtsradikalen Regierung derzeit im Wahlkampf. Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar, der als gemäßigter Politiker in der Regierung gilt, erklärte, dass das Konsulat in Ostjerusalem seine Tätigkeit formell einstellen werde. Einigen britischen Diplomaten werde jedoch im Rahmen einer Vereinbarung die Fortsetzung ihrer Arbeit in dem Gebäude gestattet.
Der britische Außenminister Ed Miliband betonte, dass Israel gar kein Recht habe, das Konsulat zu schließen. Das Konsulat befindet sich in einem Teil der Stadt, den Israel im Sechstagekrieg 1967 eroberte und später annektierte – ein Schritt, den die meisten Länder weltweit nicht anerkannt haben. Auch die Besetzung des angrenzenden Westjordanlands gilt als völkerrechtswidrig. Israel hat dennoch dort die Siedlungstätigkeit immer weiter ausgebaut. Die EU hat Sanktionen gegen jüdische Siedler erlassen.
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