Schneider besucht die Ukraine: Umweltschutz in Kriegszeiten
Schneider in der Ukraine Umweltschutz in Zeiten des Krieges Stand: 21.08.2026 • 10:12 Uhr
Der Krieg gegen die Ukraine bedroht auch die Natur: In der Tschernobyl-Schutzhülle klafft ein Loch, große Teile der ukrainischen Wälder sind besetzt. Umweltminister Schneider war vor Ort - und will helfen.
Aus der Ferne weithin sichtbar ragt die silbergraue Schutzhülle über der Ruine des 1986 havarierten Atomreaktors Tschernobyl 4 in die Höhe. Imposant und erschreckend zugleich. Ein Metallkollos, der die darunter liegende Anlage vor dem Verfall und die Umwelt vor dem Austreten radioaktiver Strahlung schützen soll. Oder besser: sollte. Denn die Schutzhülle ist massiv beschädigt.
Im Februar 2025 riss der Einschlag einer russischen Drohne ein riesiges Loch in die Hülle. Wer wie der Bundesumweltminister Carsten Schneider in dieser Woche auf seiner Reise in die Ukraine vor der Schutzhülle steht, erkennt die Stelle sofort. Sie ist abgedichtet. Es wirkt wie ein übergroßes Pflaster. Sorgenvoll betrachtet der SPD-Politiker, der in Deutschland auch für nukleare Sicherheit zuständig ist, diesen unwirklichen Ort, der wie kaum ein anderer für die Risiken der Atomenergie steht. Warum, das zeigt sich unterhalb der Schutzhülle.
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Vorher hat es kurz geregnet. Wenig später beim Betreten der Anlage tropft Wasser von der Decke. Am Boden stehen Pfützen. Die Hülle ist undicht. Der Drohneneinschlag löste einen Brand aus, der sich dann über eine Plastikschicht innerhalb der Hülle ausbreitete.
Eigentlich sollte die Konstruktion für 100 Jahre halten. Das ist nun hinfällig. Rost wird zum Risiko, erklärt Kraftwerksdirektor Serhij Tarakanov: "Die Hülle hat ihre Funktion verloren. Dadurch wirken auch die Anti-Korrosions-Maßnahmen, die während der Entwicklung der Sicherungsanlage eingebaut wurden, nicht mehr. Wir müssen deswegen so schnell wie möglich mit den Renovierungsarbeiten beginnen."
Angesichts der Schäden ist ein Neubau der Schutzhülle unausweichlich. Aber er kostet Unsummen. Nach Schätzung der Europäischen Aufbaubank EBDR 500 Millionen Euro. Mindestens. Denn eine solche Operation hat es noch nie zuvor gegeben.
Umweltminister Schneider (rechts) besichtigt das Innere des Atomkraftwerks.
Die Ukraine kann das Vorhaben unmöglich alleine stemmen. Sie ist auf internationale Partner angewiesen. Deutschland hatte maßgeblich zur Finanzierung des beschädigten Bauwerks beigetragen und will sich auch dieses Mal beteiligen - mit 50 Millionen Euro, wie Schneider beim Treffen mit Kraftwerksdirektor Taraknov ankündigt. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen. Bislang haben die USA 100 Millionen Dollar zugesagt, die EU 75 Millionen Euro, Norwegen will sich mit zehn Millionen Euro einbringen.
Der Neubau ist enorm herausfordernd. Nicht nur technisch, sondern auch angesichts des anhaltenden Kriegs. Spätestens seit dem russischen Drohnenangriff auf die Reaktorruine hat der Schutz kritischer Infrastruktur Top-Priorität. Es ist kaum vorstellbar, dass unter Kriegsbedingungen vor Ort eine neue Schutzhülle gebaut werden könnte.
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