Spanische Exklave: Die Angst vor dem nächsten Ansturm auf Ceuta
Es stimmt etwas nicht an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko. Manfred Weber kann es schon aus dem Hubschrauber sehen, der ihn von Málaga über das Mittelmeer zur spanischen Exklave an der Straße von Gibraltar fliegt. Im Wasser treiben mehrere Schlauchstücke, leuchtend rot. Das sollte eigentlich die neue Sperre sein, um irreguläre Migranten abzuhalten. Die spanische Regierung hatte die aufblasbare Barriere, die einen Meter tief unter Wasser reicht, nach dem Ansturm von rund 80.000 Menschen Ende Juli ausgelegt. Doch am vorigen Wochenende war starker Wellengang. Dabei wurde sie zerteilt.
Weber, der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), ist am Montag nach Ceuta gekommen, um sich selbst ein Bild von der Lage dort zu machen. Begleitet wird er von Alberto Núñez Feijóo, dem Vorsitzenden der spanischen Volkspartei. Für den ist es schon der vierte Besuch seit Anfang August. Die spanischen Konservativen legen immer wieder ihren Finger in diese Wunde. Ceuta steht aus ihrer Sicht für die gescheiterte Migrationspolitik der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez. Und im nächsten Jahr wird gewählt. Feijóo tritt dann gegen Sánchez an.
An Land fährt der Konvoi mit den beiden Politikern zuerst an den Trampolín-Strand, zehn Minuten vom alten Hafen entfernt. Über eine Strecke von 1,5 Kilometern geht es vorbei an einem wilden Campingplatz. Die Menschen haben Bambusstangen in den Sand gesteckt und Planen daran befestigt. Einige haben richtige Zelte in bunten Farben. Dazwischen stehen Sonnenschirme, ein Einkaufswagen. Chaotisch wirkt das aber nur auf den ersten Blick.
Auf den zweiten Blick ist zu erkennen, wie sich schon ein improvisierter Markt am Strand etabliert hat. Migranten verkaufen Getränke, Obst und Kleidung an andere Migranten. Menschen laufen mit Einkaufstüten an der Straße entlang. Sogar einen Friseur gibt es, der auf einem ausgedienten Bürostuhl sein Handwerk verrichtet.
Weber steigt aus und geht auf junge Männer zu, die Baguettes verkaufen. Er lächelt, stemmt die Arme in die Hüften. Zum Gespräch kommt es nicht. Kaum jemand hier kann Englisch. Die Migranten blicken ihn neugierig an, einige klatschen. Ob er ihnen vielleicht helfen kann? Da sind sie allerdings an den Falschen geraten. Er habe sich in diesem Moment gedacht, erzählt Weber später: „Wer hat euch belogen? Weil, es wird keinen Weg nach Europa geben. Bitte geht zurück in eure Heimat, in der ihr dann eine bessere Zukunft haben könnt.“
Ein Stück entfernt steht Khalid, zwanzig Jahre alt. Er trägt eine Baseball-Kappe, den Schirm nach hinten, und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Mud Masters“, ein Wettbewerb für Hindernisläufer. Khalid spricht Englisch, er hat in Marokko sein Abitur gemacht und studiert. „Die Spanier müssen wegen uns keine Angst haben“, sagt er. „Wir sind keine Invasoren, wir haben keine Waffen. Wir sind nur auf der Suche nach einem besseren Leben und nach Arbeit.“ In Marokko, nein, da gebe es keine Zukunft für ihn. „Als ich gesehen habe, dass das Tor offen ist, bin ich sofort gekommen, ohne lange zu fackeln.“ Er schwamm durchs Wasser, wie alle anderen, ganz schnell sei das gegangen.
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