Merz hält an Reformkurs fest - trotz Wahlfiasko für CDU
Kurs halten - trotz beispielloser Wahlschlappe: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die geplanten Reformen ungeachtet eines historisch schlechten Abschneidens der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und der Niederlage gegen die Linke in Berlin fortsetzen. „Die Reformen müssen kommen“, sagte der Kanzler am Sonntagabend in Berlin und erteilte damit zugleich Spekulationen über einen „Kanzlertausch“ oder Rücktritt als Parteivorsitzender eine Absage.
Auch die SPD bekräftigte das Festhalten am Reformkurs, meldete jedoch Nachbesserungsbedarf an.
Für Merz und die CDU folgten bei den drei Wahlen im September ein Debakel auf das andere: In Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen halbiert, fuhr die CDU in Mecklenburg-Vorpommern das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte bei einer Landeswahl ein - und musste am Sonntagabend sogar um den Wiedereinzug in den Landtag bangen.
In Berlin wurde die CDU laut Hochrechnungen klar von den Linken geschlagen, die regierende schwarz-rote Koalition wurde abgewählt.
Für die SPD ergibt sich ein zwiespältiges Bild: In Mecklenburg-Vorpommern legten die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eine Aufholjagd hin und landeten mit knapp 36 Prozent hinter der AfD.
Da jedoch keine der anderen Parteien mit der AfD koalieren will, kann Schwesig auf eine erneute Regierungsbildung unter ihrer Führung hoffen.
In Berlin erlitt die bislang mitregierende SPD das schlechteste Ergebnis in der Landesgeschichte.
Merz nannte das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ein „Desaster“.
Bei einem Statement kurz nach Bekanntwerden der ersten Wahlprognosen räumte der Kanzler ein, dass auch in der Hauptstadt „der Rückenwind aus Berlin ausgeblieben ist“.
Dennoch müsse der eingeschlagene Reformkurs der Bundesregierung fortgesetzt werden. „Die Antwort muss sein, unser Land fit zu machen für die Zukunft." Nach den Worten von SPD -Ko-Chef Lars Klingbeil muss die Bundesregierung nun analysieren, „warum es diese große Unsicherheit im Land“ gebe. „Wir haben es nicht geschafft, Reformen so rüberzubringen, dass die Menschen auch sehen, da finden Veränderungen statt“, sagte Klingbeil am Abend in der ARD.
Als Konsequenz deutete Klingbeil mögliche Anpassungen an den geplanten Sozialreformen an.
Mit Blick auf Pläne zur Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 betonte der SPD-Vorsitzende: „Die Sorge, dass man trotz Lebensleistung, trotz 45 Jahre Arbeit am Ende nicht in die Rente kommt, die müssen wir ernst nehmen und dafür werden wir Lösungen finden.“ Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nannte Merz' Auftritt eine „mediale Luftnummer“. „Die Politik, die die Menschen zum wiederholten Mal abgewählt haben, erklärt er gebetsmühlenartig zur Lösung“, sagte sie der „Rheinischen Post“.
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