Was die ukrainischen Angriffe auf Russland bewirken
Immer wieder trifft die Ukraine russische Energieanlagen. Sicherheitsexperte Nico Lange erklärt die Strategie dahinter - und wie die Angriffe die russische Abwehr überwinden.
Schon wieder ein Angriff auf eine Energieanlage: Die Ukraine hat nach eigenen Angaben die größte Öl-Raffinerie Russlands getroffen - und drang damit weit ins russische Hinterland vor. Zwischen dem Industriekomplex im sibirischen Omsk und der Ukraine liegen rund 2.500 Kilometer. Auch Ende September traf ein ukrainischer Drohnenangriff eine Öl-Raffinerie, damals im Südosten Moskaus.
Attacken wie diese seien Teil einer Strategie, erklärt Sicherheitsexperte Nico Lange: Statt wahllos Zivilisten zu attackieren, greife das ukrainische Militär gezielt die russische Energieinfrastruktur an. Zusätzlich entziehe Kiew dem russischen Kriegsapparat Geld, indem es auch Öl-Tanker der Schattenflotte lahmlege.
Die Ukraine werfe Moskau nun in ein Dilemma: Wird bei Treibstoffmangel vorrangig das Militär bedient - oder versorgt man die russischen Metropolen, um die Konsequenzen des Kriegs kleinzuhalten?
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Attacken wie der Angriff im weit entlegenen Sibirien seien auch wegen einer technischen Entwicklung in der Ukraine möglich, erklärt Lange. Seit Kriegsbeginn habe das Land Waffen entwickelt, die Angriffe auf Ziele tausende Kilometer entfernt ermöglichen. Mit einer Kombination aus Marschflugkörpern und Drohnen überwinde das Militär die russischen Linien, so der Experte weiter. Oder die Ukraine schicke bei einer Offensive gleich so viele Drohnen gleichzeitig, "dass immer etwas durchkommt."
… ist Militär- und Sicherheitsexperte. Seit 2022 arbeitet er bei der Münchner Sicherheitskonferenz und beschäftigt sich mit sicherheitspolitischen Fragen. Von 2019 bis 2022 war er Leiter des Leitungsstabes im Bundesministerium für Verteidigung. Zuvor war er unter anderem stellv. CDU-Bundesgeschäftsführer, leitete bei der Konrad-Adenauer-Stiftung die Auslandsbüros in Kiew sowie Washington und forschte auch in St. Petersburg. Lange diente von 1993 bis 2000 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr.
Zwar hätten Verbündete wie Deutschland die Ukraine in der Vergangenheit von solchen Angriffen auf die Infrastruktur abhalten wollen, erinnert Lange. Doch inzwischen werde Kiew für die Strategie von den Europäern gelobt. Nun werde selbst von US-Präsident Donald Trump ein "Energie-Waffenstillstand" diskutiert. Doch Lange glaubt: Bis es zu solchen Gesprächen wirklich komme, gingen die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur weiter.
Gleichzeitig greift auch Russland ukrainische Ziele an. Bei einem schweren Angriff auf Kramatorsk im ostukrainischen Gebiet Donezk habe das russische Militär mindestens 30 Menschen in Bussen getötet, meldeten ukrainische Behörden am Donnerstag.
Seit Kriegsbeginn attackiere Russland auch gezielt Zivilisten und begehe Kriegsverbrechen, sagt Sicherheitsexperte Lange - doch inzwischen seien die Angriffe intensiver. Mit Gleitbomben und ballistischen Raketen durchdringe Russland Lücken in der ukrainischen Abwehr. "Putin hat sich auf Terror verlegt", so Lange.
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