Krisengipfel in Mecklenburg-Vorpommern - Aufräumarbeiten nach Sturm können wochenlang dauern
Grabowhöfe (Mecklenburg-Vorpommern) – Innerhalb weniger Minuten verwüstete ein Unwetter ganze Landstriche. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Dächer wurden abgedeckt, Bahnstrecken lahmgelegt. Die Verwüstung durch den Sturm vom Freitag ist so groß, dass ein Bürgermeister sogar seinen Urlaub vorzeitig abbrach. Die Menschen in der Müritz-Region stehen unter Schock. Das Ausmaß der Schäden soll jetzt eine Krisensitzung klären.
Klimatologe Dr. Karsten Brandt warnt gegenüber BILD vor weiteren gefährlichen Wetterlagen: „Das Unwetter dort wird kein Einzelfall bleiben. In den nächsten Wochen müssen wir in Deutschland häufiger mit gefährlichen Böenwalzen oder Tornados rechnen. Es werden mehr Tiefs kommen, die Wetterküche ist voll in Bewegung.“
Grabowhöfes Bürgermeister Enrico Malow (parteilos) zu BILD: „Ich befand mich gerade im Urlaub in Kiel in Schleswig-Holstein. Da bekam ich die ersten Anrufe. Ich machte mich sofort auf die Heimreise.“ Besonders hart traf es die Orte Grabowhöfe, Baumgarten, Jabel und die umliegenden Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern . „Die schwerste Phase des Unwetters hat gerade mal acht Minuten gedauert“, sagt der Bürgermeister. Doch diese 14 Minuten reichten aus, um eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen.
Vor Ort bot sich dem Bürgermeister ein schockierendes Bild: Mächtige Bäume wurden umgerissen oder wie Streichhölzer abgeknickt. Wellblechdächer wurden zerstört. Auf mehreren Straßen ging nichts mehr. Selbst die Bahn war betroffen. Ein Zug musste gestoppt werden, 135 Fahrgäste wurden aus dem Gefahrenbereich gebracht.
Wie knapp manche Menschen der Katastrophe entgingen, zeigt ein Vorfall bei Stavenhagen. Nach Angaben von „Ostseewelle Hit-Radio“ feierten Gäste gerade auf einer Hochzeit, als draußen plötzlich ein Baum auf mehrere geparkte Fahrzeuge krachte. Verletzt wurde niemand.
Bürgermeister Malow rechnet damit, dass die Beseitigung der Schäden mehrere Wochen dauern könnte. Der Grund: Zahlreiche Straßenbäume müssen auf mögliche Schäden untersucht werden. Sogar Straßen müssen neu asphaltiert werden. Ein erster Krisengipfel fand am Montag statt, bei dem das Ausmaß der Schäden besprochen wurde.
Doch warum hielten so viele Bäume dem Sturm nicht stand? Hinter uns liegt der zweitwärmste Sommer aller Zeiten . Es wurden Hitzerekorde geknackt. Die Böden trockneten aus. Klimatologe Brandt zu BILD: „Durch den sehr warmen Sommer erlitten die Bäume Hitzestress, sind sehr geschwächt. Dazu kommt, dass sie ihre Blätter noch haben und dadurch eine große Angriffsfläche für Böen bieten.“
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