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Spritpreise: Warum ist Diesel noch teurer als Benzin?

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Spritpreise: Warum ist Diesel noch teurer als Benzin?

Die Spritpreise leiden unter dem Krieg gegen Iran , an diesen Zusammenhang mussten sich die Autofahrer längst gewöhnen. Seit dem Ende des Tankrabatts steht vor dem Komma für die allermeisten wieder eine Zwei. Doch auch die Rangfolge der Preise auf den Tankstellentafeln änderte sich mit dem Aufflammen des Kriegs gegen Iran. Warum eigentlich ist Diesel mit im Schnitt mehr als 2,24 Euro teurer als Superbenzin?

Zunächst belastet der Anstieg des Rohölpreises wegen des Kriegs beide Kraftstoffsorten. Zur Erklärung der geänderten Preisverhältnisse gehören ein wenig Verfahrenstechnik und ein wenig Geographie. Zu Ersterem: Benzin und Diesel werden in Raffinerien aus Rohöl gewonnen. Während das in Deutschland verfahrene Benzin weitgehend hierzulande oder in der unmittelbaren Nachbarschaft raffiniert wird, ist das beim Diesel nicht so.

Deutschland verbraucht davon vergleichsweise viel, da Diesel nicht nur im Lastverkehr, sondern auch in PKW gern genutzt wird. Raffiniert werden Benzin und Diesel aus Rohöl in einem nur in Maßen steuerbaren Verhältnis. Die Rohöl-Importe reichen aus, um genug Benzin für den heimischen Markt zu produzieren. Den hiesigen Dieselverbrauch bekommen die Raffinerien aber mit dem importierten Rohöl nicht gedeckt.

Daher sind Deutschland und Europa nicht nur beim Rohöl, sondern auch bei seinem abgeleiteten Produkt, dem Diesel, auf Einfuhren angewiesen. Dessen Preise wiederum hängen, wie schon beim Vorprodukt, am globalen Angebot und der globalen Nachfrage. Die nachgefragte Menge ändert sich nur langsam, das Angebot aber hängt unter anderem davon ab, was die Raffinerien in aller Welt zu leisten imstande sind – und ob die Handelswege offenstehen.

Hier liegt ein Problem: Eine ganze Reihe großer Raffinerien kann derzeit nicht angemessen liefern. Ein Teil der Raffinerien steht am Persischen Golf, hinter der Straße von Hormus. Vor dem Krieg produzierten sie laut einer Analyse von Morgan Stanley etwa ein Fünftel des europäischen Diesels, beim Kerosin ist es demnach sogar die Hälfte. So wie von dort nun deutlich weniger Rohöl verschifft werden kann, sind nun auch die Tanker mit dem raffinierten Produkt an der Durchfahrt durch die Meeresenge gehindert.

Wesentlich sind zudem die Probleme des bislang zweitgrößten Dieselexporteurs: Russland. Die ukrainische Drohnenkampagne zeigte in den vergangenen Monaten so große Erfolge, dass mehrere russische Raffinerien die Produktion drosseln oder zeitweise gar einstellen mussten. Die Regierung in Moskau verhängte in der Folge ein Exportverbot für Diesel. Die Ausfuhren kamen weitgehend zum Erliegen.

Rohstoffanalysten von Morgan Stanley benennen zudem die Drosselung von Raffinerien in China als weiteren Faktor mit einer globalen Bedeutung. Zusammen ergebe das einen Rückgang der weltweiten Raffineriedurchsätze um etwa sechs Millionen Barrel je Tag im Vergleich zum Vorjahr. Ein erfreulicher Nebeneffekt ist, dass dadurch die Nachfrage nach Rohöl etwas geringer ausfällt, was den Brent-Preis dämpft.

Die Analysten beziffern die außergewöhnliche Situation anhand der relativen Großhandelspreise für Rohöl und Diesel.

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