Longevity: Kinder von 100-Jährigen leben länger – doch der Vorteil gilt nicht für alle Krankheiten
Wie lange ein Mensch lebt, entscheidet sich nicht allein an Ernährung, Bewegung oder Glück. Auch die Familie hinterlässt offenbar Spuren: Wer einen Elternteil hat, der 100 Jahre alt wird , hat selbst bessere Chancen auf ein langes Leben.
Bei Kindern von Hundertjährigen lag das Sterbealter im Schnitt rund drei Jahre höher, Bluthochdruck setzte bei ihnen etwa fünf Jahre später ein. Das Alter der Eltern kann damit Hinweise auf die eigene Lebenserwartung geben – und darauf, wie lange typische Alterskrankheiten auf sich warten lassen.
Grundlage dafür sind drei große Langzeituntersuchungen aus den USA und Großbritannien. Forscher des Albert Einstein College of Medicine, der Boston University und des Tufts Medical Center verglichen 2319 Kinder von Hundertjährigen mit 2703 Kontrollpersonen. Die Daten stammen aus der LonGenity-Studie, der New England Centenarian Study und der UK Biobank. Je nach Untersuchung begleiteten die Wissenschaftler die Teilnehmer 16 bis 29 Jahre lang. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal „JAMA Network Open“.
Die Unterschiede fielen deutlich aus. Im Vergleich zu Menschen mit weniger langlebigen Eltern hatten Kinder von Hundertjährigen:
Über alle drei Kohorten hinweg fanden sich diese Zusammenhänge in ähnlicher Form.
Ein Blick auf die UK Biobank macht die Größenordnung greifbarer. Dort standen sich zwei vergleichbare Gruppen mit jeweils 992 Teilnehmern gegenüber. Unter den Kindern von Hundertjährigen starben 92 Menschen, in der Kontrollgruppe 137. Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten bei 97 gegenüber 160 Teilnehmern auf. Bluthochdruck betraf 356 Kinder von Hundertjährigen und 464 Menschen aus der Vergleichsgruppe.
Naheliegend wäre, dass besonders langlebige Familien schlicht gesünder leben. Doch auch nach Berücksichtigung von Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung und Ernährung blieben die Unterschiede weitgehend bestehen. Die Berechnungen bezogen außerdem Bildungsstand und sozioökonomischen Status ein.
„ Das soll nicht heißen, dass der Lebensstil keine Rolle spielt – gesundes Verhalten bleibt für jeden wichtig“, sagt Studienautor Eric Reed. Einige Menschen aus Familien mit außergewöhnlicher Langlebigkeit schienen jedoch „ biologische Vorteile “ zu besitzen. Gerade die ähnlichen Ergebnisse der drei sehr unterschiedlichen Kohorten wertet Reed als Hinweis darauf, dass außergewöhnliche Langlebigkeit innerhalb von Familien gehäuft auftritt.
Welche Eigenschaften hinter diesem familiären Vorteil stecken, ist noch offen. „Diese Untersuchung war nicht darauf ausgelegt, die spezifischen vererbten Merkmale zu identifizieren, von denen Kinder Hundertjähriger profitieren“, sagt Sofiya Milman, Professorin für Medizin und Genetik am Albert Einstein College of Medicine und Seniorautorin der Studie.
Milman sieht in Familien mit außergewöhnlicher Langlebigkeit eine Möglichkeit, die Biologie des gesunden Alterns genauer zu untersuchen. Langfristig könnten daraus Ansätze entstehen, die natürliche Mechanismen der Langlebigkeit medizinisch nachahmen.
Interessant ist dabei eine weitere Analyse. Die Forscher betrachteten nicht nur Eltern, die mindestens 100 Jahre alt geworden waren.
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