Atacama in Chile - In der Wüste liegt plötzlich Schnee
Es ist eine der trockensten Regionen der Erde. An einigen Stellen gibt es mehrere Jahre keinen Regen. Jetzt liegt plötzlich Schnee! Mehrere Stürme haben im August große Teile der Atacama-Wüste im Norden Chiles weiß gefärbt. Satellitenaufnahmen der Nasa zeigen das gewaltige Ausmaß: Stellenweise zog sich die Schneedecke von den Anden über den extrem trockenen Kern der Wüste bis nahe an die Pazifikküste südlich der Hafenstadt Antofagasta.
Besonders der Sturm in der zweiten Augusthälfte war ungewöhnlich großflächig. Das berichtet das Nasa Earth Observatory. Dort verfolgt man die Entwicklung unter anderem mit den Satelliten Landsat 8 und Landsat 9 sowie dem MODIS-Instrument des Satelliten Terra.
Schnee in der Atacama ist selten, kommt aber durchaus mal vor. Die Nasa verweist etwa auf Schneefälle in den Jahren 2011 und 2025. Auslöser der aktuellen Wetterlage war nach Angaben der Weltraumbehörde ein sogenanntes Cut-Off-Tief, also eine abgeschnürte Tiefdruckzone.
Solche Wettersysteme sind vom Jetstream abgetrennt und können gelegentlich weit nach Norden bis nach Chile vordringen. Beim jetzigen Ereignis entstand das Tief im Zusammenhang mit einer ungewöhnlich ausgedehnten Tiefdruckrinne. Dazu kam reichlich Feuchtigkeit aus dem Küstenbereich.
Die Folge: Niederschläge zogen von der Küste über die Wüste bis in die Anden. Der Geophysiker und Atmosphärenforscher René Garreaud von der Universidad de Chile bestätigte, dass diese Niederschlagsmengen „nur selten beobachtet werden können“.
Der Hintergrund für den Schneefall in der Atacama-Wüste ist das sich verstärkende El-Niño-Ereignis. Garreaud zufolge sorgt diese Wetterlage dafür, dass es in Nord- und Zentralchile besonders viel regnet und schneit. Das subtropische Pazifikhoch, das sonst für Trockenheit sorgt, wird abgeschwächt. Gleichzeitig kann sich die Zugbahn von Tiefdruckgebieten weiter in Richtung Äquator verlagern.
Die starken Niederschläge trafen auch Infrastruktur und Bevölkerung. In Teilen der Region Antofagasta blockierten Erdrutsche und Geröll Straßen. Wohngebiete wurden vorsorglich evakuiert, Unterkünfte wurden eingerichtet. Nach Angaben des chilenischen Katastrophenschutzes Senapred mussten unter anderem gefährdete Bereiche von Tocopilla geräumt werden. Der Grund: In Abflussrinnen und Schluchten schossen plötzlich Wassermassen hinab.
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