Forscher: Meeresboden bremst Eisschmelze in Antarktis
Forschungsschiff "Polarstern" Meeresboden bremst Eisschmelze in der Antarktis Stand: 17.10.2026 • 10:15 Uhr
Das Team des deutschen Forschungsschiffes "Polarstern" hat vor der Ostantarktis entdeckt: Der Meeresboden hilft dabei, das Schmelzen des Eises dort zu bremsen.
Die Antarktis ist der Eisschrank der Erde: Etwa 90 Prozent des Eises weltweit sind am Südpol gespeichert. Vom 19. Bis 30. Oktober trifft sich die " Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis " im australischen Hobart. Ihr Ziel ist der Schutz des marinen Lebens rund um den Kontinent am Südpol. Denn auch dort schmilzt das Eis aufgrund der Erderwärmung. Sie ist die größte Bedrohung von Walen, Pinguinen bis hin zu Kleinstlebewesen (Krill) und verändert stark ihren Lebensraum.
150 Milliarden Tonnen verliere der Eiskontinent im Jahresdurchschnitt, so der Kieler Meeresgeophysiker Sebastian Krastel. Langfristig vernichtet das die Lebensgrundlagen der Tierwelt und erhöht zugleich den Meeresspiegel. Sollte sich dieses Abschmelzen verstärken, könnten Milliarden Menschen an den Küsten der Welt ihre Heimat verlieren, ergänzt der Geologe Marcus Gutjahr vom Kieler Geomar Forschungszentrum.
Während der Westen des Eisschildes der Antarktis seit Jahrzehnten abschmilzt, war der Osten lange Zeit stabil. Bislang dachte man, dass das vor allem an der höheren Lage liegt und am arktischen Küstenstrom, der die Ostantarktis von wärmerem Meerwasser abschirmt.
Bei ihrer letzten Antarktisexpedition mit dem Eisbrecher „Polarstern“ haben die Forschenden jedoch eine weitere Ursache entdeckt, die die Resilienz unterstützt: den Meeresboden.
Das Team um Sebastian Krastel hat bei Echolotmessungen vor der Ostküste den Meeresgrund kartiert und einen 260 Meter hohen und 65 Kilometer langen Hügel aus Sand, Schlamm und Gestein entdeckt, der mit dem Eis ins Meer transportiert wurde. Dieser Sedimentkeil hat das Eis stabilisiert. An dieser Stelle wurde deshalb der Rückzug des Eises gebremst. Solche geologischen Formationen gebe es häufig im Südpolarmeer, sagt Krastel. Doch dieser positive Effekt könne das Abschmelzen allenfalls mildern, nicht verhindern.
Die Ostantarktis hat dem Klimawandel lange Zeit getrotzt. Nach wie vor liegen die Durchschnittstemperaturen im Jahr bei konstant minus 55 Grad Celsius. Doch nun hat auch hier das Schmelzen begonnen. Durch die globale Erwärmung haben sich Windrichtungen und Strömungen verändert. Warme Wassermassen gelangen als sogenanntes zirkumpolares Tiefenwasser an die Küste und schmelzen die Gletscher von unten.
Ein Beispiel dafür ist der 130 Kilometer lange Denman-Gletscher, dessen Eiszunge bis ins Meer reicht. "Ab einer Meerestiefe von 300 Meter wird das Wasser plötzlich wärmer und trägt das Eis ab", so Marcus Gutjahr. Diese Entdeckung beunruhigt die Forschenden: Sie zeigt, dass auch diese lange Zeit resiliente Antarktisregion immer verwundbarer wird.
Allein im Denman-Gletscher steckt genug Eismasse, um den Meeresspiegel weltweit um 1,5 Meter ansteigen zu lassen. Das Eis der Antarktis hat zudem direkten Einfluss auf die globalen Durchschnittstemperaturen: Eis und Schnee reflektieren Sonnenenergie zurück ins All.
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