„Weiß nicht, ob ich Schwangeren noch gratulieren kann”
Pielmeier verweist darauf, dass Praxen wegen der neuen Vergütungsgrenzen ab 2027 möglicherweise weniger Schwangere aufnehmen könnten. Außerdem warnt sie vor weiteren Schließungen von Geburtskliniken. „Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, ob ich einer schwangeren Patientin immer noch herzlichen Glückwunsch sagen kann oder nicht oder ob ich ihr nicht einfach für ihren Mut mittlerweile auf die Schulter klopfen soll.“
Sie sagt weiter: „Vor allem 2027, wenn das neue GKV-Spargesetz wirklich in Kraft tritt, gleicht schwanger werden eigentlich eher einem Kamikaze-Projekt, das sehr, sehr viel Mut erfordert. Es ist ja aktuell schon so, dass unser Politiker Herr Merz wirklich einen Kampf gegen Familien führt.“
Die Gynäkologin kritisiert außerdem eine aus ihrer Sicht zunehmende Einschränkung der Betreuung durch Hebammen. „Hebammen sind genauso reglementiert. Die meisten hören auf, weil sie gar keine Lust mehr haben. Dieser Katalog, der denen vorgeschrieben wird, der ist so heftig. Früher konnte man nach Bedarf zu der Patientin hingehen. Jetzt sind die Kontakte so reglementiert, dass die Patientin wirklich unterschreiben muss. Ist das Kontingent erfüllt, muss sie selber zahlen oder hat halt Pech gehabt.“
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Ausgaben der Krankenkassen bremsen. Ab 2027 gelten dabei neue Vergütungsgrenzen, von denen auch die gynäkologische Versorgung betroffen ist. Überschreiten Praxen bestimmte Leistungsmengen, werden diese nicht mehr in gleichem Umfang vergütet. Das könnte dazu führen, dass manche Praxen weniger gesetzlich versicherte Patientinnen aufnehmen können.
Pielmeier verweist auf die Demonstration „Es ist Punkt 12“. Diese soll am fünften September in Berlin stattfinden und sich gegen „Sparen im Gesundheitssystem“ stark machen.
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