Epilepsie-Experte zu Musiala: Wenn Gefahr der Absence bleibt, ist er nicht mehr spielfähig
„Wir wussten und wissen Bescheid“, sagte Max Eberl, Sportboss des FC Bayern, am Dienstagabend über den Gesundheitszustand seines Top-Spielers. Der 23-Jährige Jamal Musiala war beim Testspiel gegen Heidenheim bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage auf dem Platz zusammengebrochen.
Wie Musiala mitteilte, seien „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt worden“ – kleine epileptische Anfälle. Um welche Form der Epilepsie es sich genau handelt – sollte es überhaupt eine sein – ist unklar. Hinter den Anfällen würden „neurologische Dysfunktionen“ stecken. Da steht die Frage im Raum, was das für seine sportliche Zukunft heißt. Sollte sich die Anfallsfrequenz nicht senken oder bestenfalls stoppen lassen, könne es für den jungen Spieler schwierig werden, bilanziert Neurologe Heinz Wiendl im Gespräch mit FOCUS online:
„Wenn immer die Gefahr besteht, dass er beim nächsten Spiel einfach zusammenbricht, also eine Absence hat, dann ist er nicht mehr spiel- oder berufsfähig.“
Denn zwei Anfälle innerhalb weniger Tage wie bei Musiala seien eine „relativ hohe Anfallsfrequenz“, ordnet der Ärztliche Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Uniklinikum Freiburg ein. Vielleicht habe er noch weitere Anfälle dazwischen gehabt, „es wird ja sicherlich auch schon außerhalb des Fußballplatzes aufgetreten sein“, mutmaßt der Freiburger Mediziner. Dennoch sieht der Neurologe gute Chancen, dass die Erkrankung medizinisch in den Griff zu bekommen ist.
Wiendl erinnert dabei an den prominenten Fall des dänischen Fußballers Christian Eriksen, der 2021 während einer EM-Partie einen Herzstillstand erlitt. Heute spielt er wieder: „Durch den Herzschrittmacher lässt sich eigentlich ausschließen, dass er erneut einen Herzstillstand auf dem Fußballfeld hat. Hundertprozentig kann man das bei Anfallserkrankungen aber leider nicht kontrollieren.“
Lassen sich die Anfälle nicht stoppen , könnten die Absencen also dennoch problematisch werden. Vor allem, weil sie meist ohne jegliche Vorwarnung kommen. „Das ist die Definition, dass es nicht wirklich provoziert ist. Es ist nicht so, dass bei so einem Bundesligaspiel besonders hoher Druck herrscht, sondern es ist einfach Zufall, dass es dann genau in den 90 Minuten passiert.“ Theoretisch könnten die Anfälle in den ungünstigsten Zeitpunkten kommen.
„Solche Anfälle sind natürlich auch für das Umfeld extrem beängstigend“, erklärt Neurologe Wiendl. Zwar waren die Teamkollegen im aktuellen Fall wohl informiert, aber viele Fans hatten sich große Sorgen um das Talent gemacht, als er plötzlich aus dem Stehen auf den Boden sackte. „Es könnte ja alles mögliche sein, wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht, ein Herzinfarkt oder Hirninfarkt zum Beispiel“, sagt der Ärztliche Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Uniklinikum Freiburg. „Ich glaube, da muss man früh die Flucht nach vorne antreten und das erklären“, sagt Wiendl zu FOCUS online.
Aus ärztlicher Sicht spreche ohnehin Vieles für einen offenen Umgang mit solchen Diagnosen. Egal ob in der Fußgängerzone oder auf dem Platz, wüssten die wenigsten mit so einer Anfallssituation umzugehen.
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