Turn-EM in Zagreb: Einst gewannen sie für die Ukraine
„Tut mir leid, dass das passiert ist“, sagte Radomyr Stelmakh, nachdem er bei seinem ersten Reckfinale für Deutschland auf europäischer Bühne gestürzt war. Es klang ein wenig wie eine Entschuldigung. Gleich nach ihm war am Samstag Illia Kovtun für Kroatien ans Gerät gegangen. Sein vom Publikum in Zagreb bejubelter Auftritt gelang, inklusive des neuen Dreifachsaltos als Abgang. Am Ende war es der unter dem Kürzel WG2 (WG steht für „World Gymnastics“) antretende Savelii Sieedin, der Kovtun aus den Medaillenrängen schob.
Die Konstellation im Reckfinale der Turn-Europameisterschaft wirkt auf dem Papier harmlos, hatte aber durchaus Brisanz, traten hier doch nicht nur zwei Ukrainer gegen einen Russen an, sondern auch ehemalige Teamkameraden gegeneinander. Als Radomyr Stelmakh nach seinem Finale mit hängendem Kopf die Fläche verließ und Illia Kovtun die Bühne betrat, stießen sie kurz ihre Fäuste gegeneinander. So ist es üblich.
Stelmakh hatte sich viel vorgenommen für sein Finale: Einen Schwierigkeitswert von 6,0 Punkten habe er zeigen wollen, sagte er im Anschluss. Doch sein Fehler beim Liukin – einem Flug rückwärts über die Stange mit einer ganzen Längsachsendrehung – bedeutete nicht nur einen ganzen Punkt Abzug für den Sturz, sondern auch die Aberkennung des Elements und damit nur eine Schwierigkeit von 5,0 Punkten – und der letzte Rang. Auch schlechte Ergebnisse seien eine Erfahrung, sagte Radomyr Stelmakh: „Das bedeutet wahrscheinlich, dass wir mehr arbeiten müssen.“
Das tut er seit über vier Jahren unter Oleksandr Suprun in Cottbus. Wenige Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine war er im März 2022, damals noch minderjährig, mit seiner Mutter nach Cottbus geflohen. In diesem Frühjahr erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und Anfang Juli die notwendige Freigabe des ukrainischen Verbandes.
Über die Nähe zu seinen ehemaligen Teamkollegen hatte Stelmakh zu Beginn der Titelkämpfe in Zagreb gesagt, man habe weiterhin ein gutes Verhältnis, und auf die Frage, ob es eine besondere Situation sei: „Alles gut, wir haben uns gesehen, und alle sind freundlich.“
Besonders war die Situation trotzdem, war es doch die erste Begegnung von Radomyr Stelmakh, Illia Kovtun und Nazar Chepurnyi bei einer internationalen Großveranstaltung seit den Olympischen Spielen in Paris 2024. Dort hatten sie gemeinsam im Teamfinale gestanden – für die Ukraine. So wie auch bei der Europameisterschaft kurz zuvor, als sie sensationell gemeinsam Gold im Mannschaftswettbewerb gewonnen hatten – für die Ukraine.
In Zagreb nun wurde der als Spezialist angereiste Nazar Chepurnyi für seine Heimat Europameister am Sprung. Zuletzt hatte er sich gemeinsam mit dem deutschen Team im Trainingszentrum Kienbaum bei Berlin auf die EM vorbereitet.
Zum Protagonisten der Wettbewerbe in Zagreb avancierte Illia Kovtun. Damals, im Februar 2022, war er 18 Jahre alt und gerade beim Weltcup in Cottbus. Gemeinsam mit Trainerin Irina Gorbacheva tingelten das Duo fortan von Wettkampf zu Wettkampf und erfuhr viel Solidarität von allerlei Turnbrüdern.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.faz.net — der Inhalt gehört FAZ Sport.