Es geht jetzt ans Eingemachte
Erneut triumphieren bei Wahlen die Ränder. Schwesigs Achtungserfolg geht auf Kosten auch der CDU. Der Bundeskanzler räumt ein Desaster ein - und bleibt.
Das Wahljahr 2026 ist zu Ende und es hat die deutsche Politik ordentlich durchgeschüttelt. Es hat die Parteien-Tektonik verändert, vermutlich nachhaltig. Es hinterlässt Geschlagene, Gerupfte, Versehrte - zumal in der Mitte - und gestärkte Ränder.
In Berlin wird die Linke erfolgreich wie nie mit radikalen Forderungen und einer unklaren Haltung zu antisemitischen Entgleisungen in den eigenen Reihen. Vor allem ist es die AfD , die erneut auftrumpft und zwei Wochen nach Sachsen-Anhalt stärkste Kraft in einem ostdeutschen Bundesland wird - wenn auch ohne Aussicht auf die Regierungsbildung in Mecklenburg-Vorpommern. Manuela Schwesig, die rote Frau gegen blau, schafft es mit Amtsbonus und starker Personalisierung, der AfD-Macht den Riegel vorzuschieben.
Nebeneffekt der Konzentration auf das Rennen an der Spitze ist das Schrumpfen der anderen. Die CDU kämpft in Mecklenburg-Vorpommern , einem Land, das sie lange regiert hat, mit der 5-Prozent-Hürde. Ein Desaster räumte der Bundeskanzler ein, der sich heute Abend bereits kurz nach 18 Uhr vor die Kameras stellte. Der ungewöhnliche Auftritt sollte deutlich machen, dass die CDU jedenfalls kurzfristig keinen Personalwechsel vornehmen wird. Merz bleibt, weil er bleiben muss. Kein anderer und keine Neuwahl würde es derzeit für die CDU besser machen.
Abgestimmt war die Linie mit dem CDU-Präsidium, aus dem allerdings niemand mit auf die Bühne kam. Merz wirkte allein und sein Versprechen von Rückgrat und Standhaftigkeit auch wie eine Selbstbeschwörung. Wie lange er noch Kanzler sein wird, wird auch davon abhängen, wie viele Reformen er in der Bundesregierung nun durchsetzen kann mit einer Schwesig- SPD , die gerade mit Kritik am Reformkurs erfolgreich war. Der Herbst bricht an, aber ob es einer der Reformen wird, ist fraglich. Es geht jetzt ans Eingemachte und es wird nicht leichter.
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