Magdeburg: Kaiser Otto der Große bekommt neues Grab
Kaiser Otto der Große und die Forschung Neuer Sarg, neue Erkenntnisse Stand: 22.08.2026 • 04:48 Uhr
Weil das Grab von Kaiser Otto dem Großen restauriert werden musste, wurden auch seine Gebeine erforscht. Historiker und Chirurgen sind nun um einiges klüger - und der Kaiser bekommt bald eine neue Ruhestätte.
Seit Anfang 2025 ist der Hohe Chor des Magdeburger Doms Baustelle und Labor zugleich: Die stark geschädigte Begräbnisstätte Kaiser Ottos I., eines der wichtigsten europäischen Herrscher des Mittelalters, musste dringend gesichert werden.
Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Denkmalpflege, Archäologen, Domgemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland arbeiteten eng zusammen, um den fragilen Kalksteinsarkophag zu retten und seinen Standort dauerhaft zu stabilisieren.
Otto der Große (912–973) ist eine Schlüsselfigur der europäischen Geschichte: 962 in Rom zum Kaiser gekrönt, erhob er 968 Magdeburg zum Erzbistum und ließ sich dort an der Seite seiner früh verstorbenen Frau Editha bestatten. Sein Sarkophag ist daher ein Denkmal von europäischem Rang - und war akut gefährdet, wie ein turnusmäßiges Monitoring 2024 zeigte.
Haarrisse im Kalkstein, korrodierende Metallklammern, eine rund 300 Kilogramm schwere Marmorplatte auf zentimeterdünnen Wänden: Das drohte zusammenzufallen, sagt Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra. "Wir mussten Kaiser Otto den Großen davor bewahren, dass seine Gebeine beschädigt werden." Die liturgische Nutzung des Gotteshauses blieb jedoch weitgehend möglich.
Das Grab musste vollständig geöffnet werden, zementartige Flicken aus früheren Reparaturen entfernt, rostende Eisenklammern und Nägel herausgenommen - sie hatten den Stein über Jahrzehnte gesprengt, statt ihn zu stabilisieren. Innen kam ein hölzerner Sarg zum Vorschein, unten stark geschädigt durch Feuchtigkeit. Auch er musste geöffnet werden.
Eine Zumutung für die Totenruhe, aber eine notwendige, wie Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser betont: "Der Totenruhe konsequent zu genügen - das hätte dazu geführt, dass über kurz oder lang der Sarkophag zusammenbricht. Und das wäre erst recht eine Störung der Totenruhe gewesen."
Die Marmorplatte und der alte Sarkophag des Grabes von Kaiser Otto dem Großen.
Die Öffnung des Grabes bot die einmalige Chance für ein internationales Forscherprojekt: 40 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen setzten sich daran, zunächst die Schlüsselfrage zu beantworten: Liegt Otto der Große überhaupt noch in dem Grab? Es wurde nachweislich mehrfach geöffnet. Bei solchen Gräbern sei der Austausch der Toten kein seltenes Phänomen, erzählt Landesarchäologe Harald Meller. Auch in Magdeburg hätte es also gut sein können, dass die Gebeine jemand anderem gehörten: "Erst der genetische Abgleich brachte die Sicherheit, dass Otto tatsächlich Otto ist."
Den Beweis ergab ein Vergleich mit Genmaterial von Kaiser Heinrich II. aus dem Bamberger Dom. So ließ sich eine Verwandtschaft dritten Grades belegen.
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