Nach 2100 Prügel-Attacken auf dem Platz - Ab sofort tragen Schiris in der Kreisliga Bodycam
Gelsenkirchen (NRW) – Sie opfern ihre Freizeit, bekommen nur kleines Geld – und werden bedroht, beleidigt, sogar geschlagen: Schiedsrichter in Deutschlands Fußball-Kreisligen werden immer wieder Opfer von Attacken. Erst vor wenigen Tagen etwa warf ein Spieler in Siegen einen Schiri per Wrestling-Angriff zu Boden und kassierte dafür fünf Jahre Sperre. Um die zunehmenden Übergriffe auf die Unparteiischen einzudämmen, greift der DFB jetzt durch: Ab sofort tragen Schiedsrichter zu ihrem Schutz eine Bodycam.
In einem Pilotprojekt von DFB, FIFA und dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen wurden die Schiris der Spiele der Kreisliga B in Gelsenkirchen heute mit den Kameras ausgestattet. Die Hoffnung: Die Geräte sollen abschrecken, bevor es auf den Plätzen eskaliert.
Gewalt gegen Schiedsrichter ist zum traurigen Alltag in den Kreisligen geworden. Laut des in dieser Woche veröffentlichten „Lagebild Amateurfußball“ des DFB wurden Referees in der Saison 2025/26 2100-mal als Geschädigte während eines Spiels erfasst.
Im Bereitschaftsmodus filmt die auf der Brust angebrachte Bodycam mit einem Weitwinkelobjektiv während des gesamten Spiels das, was auch der Schiri sieht. Spieler und Zuschauer müssen jedoch nicht fürchten, dass Bilder von ihnen dauerhaft zugänglich sind. Denn die jeweils vergangenen 30 Sekunden werden fortlaufend überschrieben. Drückt der Schiedsrichter aber in einer bedrohlichen Situation einen Knopf, wird die Aufnahme gespeichert, inklusive der entscheidenden halben Minute davor. Bekannt sind solche Kameras schon aus der Bundesliga: Hier zeichnen sie jedoch dauerhaft auf – und nicht zum Schutz der Schiris, sondern als zusätzlicher Service für Fans, die ausgewählte Szenen aus der „RefCam“ gezeigt bekommen.
Heimliche Aufnahmen sind dabei nicht möglich. Ein akustisches Signal, ein rotes Licht und das Live-Bild an der Kamera zeigen sichtbar an, dass die Aufnahme aktiviert wurde. Das Projekt wurde laut Verband datenschutzrechtlich geprüft. Spieler und Verantwortliche werden vor dem Spiel informiert, Zuschauer durch Schilder am Sportplatz auf den möglichen Kameraeinsatz hingewiesen.
Andree Kruphölter, FLVW-Vizepräsident Amateurfußball, sagt: „Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter übernehmen Woche für Woche Verantwortung für unseren Fußball. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie ihren Sport sicher und ohne Angst ausüben können.“ Wenn Technik dabei helfen könne, das Ehrenamt zu schützen, müsse man bereit sein, neue Wege zu gehen.
Das Projekt kommt kein bisschen zu früh. In Thüringen wurde in der vergangenen Saison sogar ein minderjähriger Linienrichter von einem Spieler geschlagen. Ein Krankenwagen musste kommen, der Referee versorgt werden. Das Spiel wurde abgebrochen, alle 35 Spiele in Eisenach am folgenden Wochenende wurden abgesagt. Bei einem Spiel in Siegen (NRW) warf ein Spieler erst am vergangenen Wochenende einen Schiri brutal zu Boden – der Schiedsrichter erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt.
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