Warum Einsamkeit im Alter krank macht und was dagegen hilft
Einsamkeit zählt zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken im Alter. Wie sie entsteht, welche Folgen sie haben kann und welche Hilfsangebote es gibt, um Isolation zu durchbrechen.
Menschen im hohen Alter sind vermehrt von Einsamkeit betroffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Partnerinnen und Partner oder enge Freundschaften gehen durch Krankheit und Tod verloren, Familien leben häufig weit entfernt und körperliche Einschränkungen machen es schwieriger, aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Auch finanzielle Probleme können eine Rolle spielen.
"Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass Armut einer der wichtigsten Risikofaktoren für Einsamkeit ist", sagt Maike Luhmann, die als Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Einsamkeit forscht.
… forscht und lehrt an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Die Psychologin und Professorin für psychologische Methodenlehre hat sich dabei auf das Thema Einsamkeit spezialisiert und gilt als eine der führenden Expertinnen auf diesem Gebiet.
Soziale Beziehungen gehören nach Einschätzung von Fachleuten zu den wichtigsten Voraussetzungen für gesundes Altern. Sie spielen neben Bewegung , ausgewogener Ernährung , ausreichend Schlaf und einem guten Stressmanagement eine entscheidende Rolle.
"Es gibt mittlerweile hunderte Studien, die zeigen, dass einsame Menschen eher psychisch krank werden, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen entwickeln. Oder auch, dass sie eher körperliche Erkrankungen bekommen", sagt Luhmann.
Die gesundheitlichen Folgen reichen von einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen , Schlaganfällen und Diabetes bis hin zu Demenz . Auch die Lebenserwartung könne sinken.
Der wichtigste Schritt gegen Einsamkeit sei zunächst, soziale Kontakte wieder aufzubauen oder bestehende Beziehungen zu stärken. Das klinge einfach, sei aber gerade im Alter oft besonders schwierig, so Luhmann.
Die Psychologin empfiehlt deshalb, kleine und realistische Schritte zu gehen. Dazu gehören etwa regelmäßige Telefonate mit Familie oder Freunden, die Teilnahme an Freizeitgruppen, Senioren- oder Vereinstreffen sowie der Besuch von Kultur- und Bildungsangeboten. Auch digitale Kommunikationsangebote könnten helfen, Kontakte zu pflegen.
Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen auch pflegende Angehörige. Sie hätten oft kaum Zeit, soziale Beziehungen außerhalb der Pflegesituation aufrechtzuerhalten, sagt Maike Luhmann, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum. Ihnen rät sie, nach Möglichkeit gezielt Entlastungsangebote zu nutzen, um Zeit für eigene soziale Kontakte zu gewinnen. Viele Kommunen und Wohlfahrtsverbände bieten hierfür Unterstützung an.
Aus Sicht von Maike Luhmann darf die Verantwortung jedoch nicht allein bei den Betroffenen liegen. "Einsamkeit ist auch eine politische Herausforderung", sagt die Forscherin. Politik könne Rahmenbedingungen verbessern, beispielsweise durch Maßnahmen gegen Altersarmut oder durch eine bessere Unterstützung pflegender Angehöriger.
Eine wichtige Rolle sieht sie im Gesundheitssystem. Manche älteren Menschen seien inzwischen so isoliert, dass Hausärztinnen und Hausärzte oft die einzigen regelmäßigen Ansprechpartner seien.
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