Interview: Wenn das Theater einem Multimilliardär Geld bringen möchte
Bei den Salzburger Festspielen standen die Superreichen in der Kritik.
Nun klingelte das Ensemble um Regisseur Nicolas Stemann und Elfriede Jelinek bei Wolfgang Porsche zu Hause.
Es war das Theaterereignis dieses Sommers: Das neue Stück von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek „Unter Tieren“ feierte bei den Salzburger Festspielen seine Uraufführung.
Ausgerechnet dort, wo sich die Superreichen gerne tummeln, wurde niemand Geringerer an den Pranger gestellt, als das Publikum selbst: der Mensch, der es sich in der zuweilen menschenverachtenden Ausformung des Kapitalismus gemütlich gemacht hat.
Als Vertreter der Anklage: Schweine, Affen, Bären.
Esel, Stockenten, Kühe.
Es wäre nicht das Traumgespann Jelinek/Stemann am Werk, würde ein so tiefgreifendes Thema nicht mit ausreichend Humor, Groteske und Aktionismus verhandelt.
Und so kam es kurz bevor die Inszenierung an das WIener Burgtheater übersiedelt noch zu einer ganz besonders spektakulären Intervention.
Stemann wanderte mit seinen Darstellern Mavie Hörbiger, Sebastian Rudolph auf den Kapuzinerberg hoch, wo Wolfgang Porsche mit seiner Gattin – noch – wohnt.
Der Multimilliardär hat angeblich vom „reichenfeindlichen“ Salzburg die Schnauze voll und will seine Villa, die einst Großschriftsteller Stefan Zweig bis zu seiner Flucht vor dem Faschismus bewohnte, verkaufen.
Tausende Salzburger unterstützen ein Komitee zur Rettung der Stefan-Zweig-Villa, darunter zahlreiche Prominente.
Die Universität will auch zuschlagen und aus dem historische Anwesen ein Literaturzentrum, Museum und Forschungszentrum machen.
Nicolas Stemann hat da eine bessere Idee: Während der Vorstellung ließ er im Publikum Geld sammeln, um das Paschinger Schlössl für die Allgemeinheit zu erwerben.
322 Euro sind zwar nur zusammengekommen, den Rest möge doch Wolfgang Porsche beisteuern.
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