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Kultur

Kriminalität: Warum sich Minderjährige für Gewalttaten anwerben lassen

Stern ·
Kriminalität: Warum sich Minderjährige für Gewalttaten anwerben lassen

Die Faszination für kriminelle Gangs im Netz macht Jugendliche empfänglich für Anwerbung.

Welche Rolle soziale Medien und Geldangebote dabei spielen, erklärt eine Kriminologin.

Für Gewalttaten setzen kriminelle Netzwerke zunehmend auf Minderjährige - doch warum lassen sich junge Menschen für solche Taten anwerben? „Jugendliche aus bestimmten sozial prekären Verhältnissen sind zum Teil unglaublich fasziniert von der Selbstdarstellung krimineller Gangs im Internet, über die Rapper-Szene, über bestimmte Rocker-Strukturen und wollen einfach dazugehören, wollen dort ihren Weg sehen“, sagt die Kriminologin Britta Bannenberg der Deutschen Presse-Agentur.

Die Professorin forscht an der Gießener Justus-Liebig-Universität unter anderem zur organisierten Kriminalität .

Zuletzt hatten mehrere Explosionen in Frankfurt und Offenbach für Aufsehen gesorgt, bei denen möglicherweise das Kriminalitätsphänomen „Violence as a Service“ in Betracht kommt.

Zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren wurden im Zusammenhang mit den Taten festgenommen.

In solchen Fällen werben laut Ermittlern kriminelle Netzwerke meist junge Menschen an, die dann Gewalttaten gegen Bezahlung begehen.

Leicht zu manipulieren und zu überzeugen Nach den Worten Bannenbergs handelt es sich um eine Gruppe, die anfällig für Manipulationen und leicht zu überzeugen sei.

Den jungen Leuten würden wenige tausend Euro für die Taten gezahlt oder in Aussicht gestellt, nicht immer bekämen sie das Geld auch tatsächlich.

Bei Drogenbanden in Deutschland handele es sich in der Regel nicht um große und hierarchisch strukturierte Organisationen, sondern „sehr viele nebeneinander agierende Banden und Strukturen“, sagte Bannenberg.

Allein mehrere Hundert davon dürfte es nach ihrer Einschätzung in Hessen geben.

Wer „eine große Nummer im jeweiligen Deal“ sei, wolle natürlich im Verborgenen bleiben und die Gewinne, etwa aus Drogengeschäften, für sich behalten. „Und von daher versuchen sie, wie früher auch schon, die Gewalttaten auf andere Personen umzulenken. „Und jetzt hat man entdeckt, dass es leicht möglich ist, über soziale Medien Jugendliche, die sehr schnell zusagen, rekrutieren zu können.“ Landeskriminalämter sollten Fälle zusammenführen Um diese Form der Kriminalität zu bekämpfen, sei die Einschaltung der jeweiligen Landeskriminalämter der Bundesländer in Verdachtsfällen wichtig, damit entsprechende Fälle dort zusammenlaufen und nicht als Einzelfälle betrachtet würden. „Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir als Europa insgesamt, aber eben auch in Deutschland, mittlerweile ein Ziel der organisierten, vor allem Kokainhändler sind“, sagte die Kriminologin.

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