Weil sie vom Sport nicht leben kann - Deutsche Silber-Heldin muss nebenbei Babysitten
Birmingham/England – Am letzten Tag der Leichtathletik-EM gab es für Deutschland noch mal eine Überraschungsmedaille. Julia Ulbricht gewann im Speerwurf sensationell Silber. Dabei ist Ulbricht nicht mal Kaderathletin des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV).
Nach ihrem Silber-Wurf mit neuer persönlicher Bestweite erzählt Ulbricht: „Ich war die ganzen letzten Jahre nicht im Bundeskader. Ich bin nach einer Verletzung rausgeflogen, weil ich dann nicht mehr weit genug geworfen habe. Ich habe jedes Jahr eine Kader-Norm gejagt und sie nicht geschafft. Dann ist es auch schwierig, mit nebenher laufendem Studium und ohne Förderung, sich so auf den Sport zu konzentrieren, dass man auch seine Miete und seine Rechnungen bezahlt bekommt. Deswegen war ich schon oft an dem Punkt, wo ich mich gefragt habe, ob ich es einfach sein lasse.“
Um sich den Sport überhaupt leisten zu können, jobbt Ulbricht nebenbei auch noch als Babysitterin oder macht als Übungsleiterin Sport mit Kindern. So hat sie sich die Möglichkeit erkämpft, ihren großen Traum zu verwirklichen: „Ich hab’s gehofft, dass es in Erfüllung geht und ich das schaffe. Aber ich habe nicht unbedingt damit gerechnet. Ich bin sehr glücklich und stolz.“ Der Schlüssel zu Silber war im Wettkampf direkt der erste Wurf auf 61,53 Meter.
Der DLV knüpft die Aufnahme in den Kader an konkrete Leistungen. Im Speerwurf liegt die Norm bei den Frauen bei 61,50 Meter. Das hat Ulbricht jetzt geschafft. Als Medaillengewinnerin bei der EM hätte sie aber auch unabhängig von der Weite Anspruch auf einen Platz im Olympiakader gehabt. Für Sportler hat das eine ganze Reihe von Vorzügen. Dazu gehören unter anderem die Betreuung durch DLV-Bundestrainer, Zugang zu Bundesstützpunkten, medizinische Betreuung und Unterstützung bei der Beschaffung von Ausrüstung. Oft ist die Kaderzugehörigkeit auch Voraussetzung für eine Förderung durch die Deutsche Sporthilfe, die Bundeswehr, Polizei oder Zoll.
Ulbricht: „Ich hoffe, dass vielleicht auch nochmal neue Türen geöffnet werden, dass ich auch zu besseren Wettkämpfen komme und vielleicht auch Leute auf mich aufmerksam werden und ich auch eine Chance bekomme, Sponsorenverträge zu bekommen.“
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