Zoff um Badeverbot - Hier holen sich die Strand-Rebellen ihren See zurück
Wolmirsleben (Sachsen-Anhalt) – Sie wollen das Badeverbot mitten im Hitzesommer nicht akzeptieren! Wegen Streitigkeiten um fehlende Baugenehmigungen wurden der Campingplatz und der Strand am Schachtsee in Wolmirsleben behördlich dichtgemacht. Doch rund 70 Rebellen ließ das Verbot kalt – sie planten einen „Volksbadetag“. Die Polizei schritt ein und vertrieb die ungebetenen Gäste. Allerdings nur für eine kurze Zeit …
Mit großen Plakaten hatten die Veranstalter für den nicht genehmigten „Volksbadetag“ geworben. Die Behörden bekamen von der Aktion am Donnerstag Wind: Am Morgen tauchten Vertreter des Salzlandkreises ( Sachsen-Anhalt) mit Polizeibeamten am Schachtsee im Umland von Magdeburg auf, um das verhängte Nutzungsverbot für das Gelände durchzusetzen. Sie verwiesen mehrere Personen vom Areal des amtlich geschlossenen Campingplatzes, mussten bei dessen Betreiber Jochen Nöske (73) jedoch nachhelfen. Ein Video, das BILD vorliegt, zeigt, wie vier Polizisten den 120-Kilo-Mann von der Frühstücksterrasse hieven. „Die Polizisten haben mich eine Treppe heruntergezerrt und mir dabei den ganzen Rücken aufgerissen“, sagt Nöske und gewährt einen Blick auf die erlittenen Schürfwunden.
Die Amtsleute versiegelten nach dem Einsatz das Gelände, verschlossen die mit Betonpollern zugestellten Tore zum Campingplatz und Badestrand mit Eisenketten. Nöske verließ das Gelände – kehrte aber schnell zurück, als die Beamten abgerückt waren: „Die haben den Kindern schon die ganzen Sommerferien versaut, wenigstens heute soll hier am Strand wieder Frohsinn herrschen.“
Donnerstagnachmittag, kurz nach 16 Uhr, herrschte am Strand tatsächlich reger Badebetrieb. Knapp 70 Leute waren da. Was aus Siegeln und Schlössern geworden war, wollte hier keiner wissen. „Wir wollen nur unseren Strand nutzen, so wie wir es über Jahrzehnte getan haben“, sagt einer der illegalen Gäste. Ein anderer sieht die Bürger als Opfer übereifriger Ämter: „Die wollen in dem Streit nur nicht klein beigeben“, sagt er.
Der Streit am Schachtsee schwelt schon seit Jahren. Campingplatz-Betreiber Nöske und der Salzlandkreis zoffen sich um die Nutzung des Geländes. Weil Baugenehmigungen fehlen und die Behörden Sicherheits- sowie Brandschutzmängel sehen, wurde der Campingplatz geschlossen. Zwei Gerichtsverfahren gaben dem Landkreis recht. Im Juli kam wieder die Polizei – diesmal, um das Gelände komplett zu räumen. Zuletzt ließ der Landkreis sogar die Zugänge zu Campingplatz und Strand mit Betonblöcken versperren. Auch das ließ sich Nöske nicht bieten: Er ließ einen Betonblock vor das Haus des Vizelandrats stellen.
Die Behörde bezeichnet die Zwangsmaßnahme in einer Pressemitteilung als „notwendig und angemessen“. Auf BILD-Nachfrage bekräftigt ein Sprecher den Standpunkt der Ämter: „Solange keine rechtmäßigen Zustände hergestellt sind, kann der Campingplatz inklusive des gesamten Geländes nicht genutzt werden.“
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