926 Kilometer Reichweite! - So will Mercedes den EQS retten
Er ist so etwas wie der missratene Sohn, für den sich in der Familie alle ein bisschen schämen. Mit viel Aufwand entwickelt, sollte der Mercedes EQS die elektrische S-Klasse werden. Doch so richtig hat das nie funktioniert.
Jetzt gibt Mercedes seinem Luxus-Stromer noch eine Chance – mit einem größeren Update, das technisch sogar umfangreicher ausfällt als die Modellpflege der S-Klasse.
Der Grill wächst und leuchtet auf Wunsch, die Scheinwerfer werden aufwendiger, die Haube bekommt Powerdomes und einen Stern. Innen sollen feineres Leder, Kopfstützenkissen und sogar beheizte Gurte mehr S-Klasse-Gefühl verbreiten.
Das gelingt nur teilweise. Vor allem hinten bleibt die echte S-Klasse geräumiger und komfortabler.
Viel wichtiger ist deshalb die Technik: Der EQS bekommt endlich 800 Volt, eine neue Batteriechemie und bis zu 122 kWh Kapazität. Je nach Version leisten die Motoren 408, 476 oder 585 PS.
Damit steigt die maximale Reichweite auf erstaunliche 926 Kilometer. Gleichzeitig wächst die Ladeleistung auf bis zu 350 kW. Zehn Minuten an der Säule sollen für weitere 320 Kilometer reichen.
Neu ist außerdem der EQS 400 mit 367 PS und 112-kWh-Akku, der den Einstiegspreis wieder unter 100.000 Euro drückt.
Noch ungewöhnlicher wird es ab Herbst: Für rund 2500 Euro bietet Mercedes Steer-by-Wire an. Das klassische Lenkrad weicht einer Art Brezel, eine mechanische Verbindung zu den Vorderrädern gibt es nicht mehr.
Anfangs gewöhnungsbedürftig, fühlt sich das aber schnell erstaunlich selbstverständlich an. Beim Rangieren gibt es weniger Kurbelei, bei höherem Tempo mehr Ruhe.
Zur elektrischen S-Klasse wird der EQS trotzdem nicht. Das scheint Mercedes inzwischen auch beim Preis zu berücksichtigen: Während die S-Klasse bei 109.221 Euro startet, gibt es den EQS künftig ab 91.580 Euro.
Fast 20.000 Euro Abstand zwischen echter und Möchtegern-S-Klasse – und schon stimmen die Verhältnisse wieder.
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