Appelle und persönliche Schicksale: Bundestag debattiert über Organspende
Organspende als Frage des Gewissens: In einer nachdenklich geführten und teils mit persönlichen Schicksalen untermauerten Debatte hat der Bundestag am Donnerstag über eine Neuregelung debattiert.
Während die Befürworter einer sogenannten Widerspruchslösung zu einer bewussten Entscheidung für oder gegen eine Organspende aufriefen, warnten die Verfechter einer Beibehaltung der Freiwilligkeit vor einer Einmischung des Staates.
Einig waren sich die Redner in der Notwendigkeit, die Zahl der Spender zu erhöhen.
Die Abgeordneten berieten in erster Lesung über zwei fraktionsübergreifende Initiativen.
Für die sogenannte Widerspruchslösung macht sich eine Gruppe von 254 Abgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linkspartei in einem Gesetzentwurf stark.
Demnach soll künftig grundsätzlich jeder als Organspender in Frage kommen, der dem nicht ausdrücklich widerspricht.
Beraten wurde auch ein Gesetzentwurf des Bundesrats, der gleichfalls die Einführung einer Widerspruchslösung fordert.
Eine zweite Gruppe von 58 Abgeordneten von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken fordert in einem Antrag hingegen weiterhin Freiwilligkeit bei der Organspende .
Wie bei medizinethischen Themen oft der Fall zeigten viele Abgeordnete in ihren Beiträgen ihre persönlichen Haltung - und wurden dabei ungewohnt persönlich.
So schilderte der Grünen-Abgeordnete Michael Kellner in seinem Plädoyer für die Widerspruchslösung das Schicksal einer Freundin, der dank einer Spenderleber „17 gute Jahre“ geschenkt worden seien.
Er habe selbst „diesen Anstoß gebraucht“, um eine Entscheidung zu treffen.
Die Widerspruchsregelung sei die Lösung in den allermeisten europäischen Ländern, sagte Kellner.
Deutschland gehe hier einen Sonderweg, profitiere aber überdurchschnittlich von Organspenden aus dem Ausland. „Das ist für mich ethisch schwer zu rechtfertigen.“ Bodo Ramelow von der Linksfraktion sprach „als Vater“ vor den Abgeordneten und schilderte das Schicksal seiner Tochter, für die er selbst sein Knochenmark gespendet habe.
Ramelow appellierte als Befürworter der Widerspruchslösung an die Bürgerinnen und Bürger, in der Frage der Organspende eine bewusste Entscheidung zu treffen.
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