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Narzissmus: „Partnerschaft stellt schon eine Art Therapie dar”

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Narzissmus: „Partnerschaft stellt schon eine Art Therapie dar”

Was passiert, wenn ein Mensch ständig Bewunderung braucht, andere ausnutzt oder wenig Mitgefühl zeigt? Im Alltag einer Beziehung kann daraus ein zermürbendes Muster entstehen. Streit eskaliert schneller, Nähe nimmt ab und Vertrauen schwindet. Doch eine Partnerschaft wirkt offenbar auch zurück auf die Persönlichkeit. Positive Erfahrungen können Narzissmus und andere dunkle Eigenschaften mit der Zeit abschwächen.

Psychologinnen und Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena werteten dafür Daten von 1925 Paaren aus. Die Angaben stammen aus der deutschen Langzeitstudie „pairfam“. Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin „ Journal of Personality and Social Psychology “. Zu Beginn waren die Befragten im Durchschnitt rund 36 Jahre alt. Drei Befragungen im Abstand von jeweils zwei Jahren erfassten die Entwicklung über etwa vier Jahre.

Untersucht wurden Narzissmus , Machiavellismus und Psychopathie. In der Psychologie bilden diese Merkmale die sogenannte dunkle Triade. Narzissmus umfasst unter anderem Selbstüberhöhung und ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung . Machiavellismus beschreibt manipulatives Verhalten und das Ausnutzen anderer. Psychopathische Züge äußern sich etwa durch Rücksichtslosigkeit und wenig Mitgefühl.

Solche Eigenschaften bedeuten nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Sie kommen bei vielen Menschen in unterschiedlicher Stärke vor. „Jeder von uns trägt diese Persönlichkeitseigenschaften in unterschiedlichen Ausprägungen in sich. In der Regel nehmen sie keine pathologischen Dimensionen an“, erklärt die Jenaer Psychologin Anna Braig.

Stärker ausgeprägte dunkle Eigenschaften gingen mit weniger Zufriedenheit und schwächerer Bindung einher. Zugleich erwarteten die Betroffenen häufiger eine Gegenleistung für das eigene Verhalten. Auch verbale Aggression trat öfter auf. Damit veränderte sich nicht nur das eigene Erleben. Teilweise litt auch die Beziehungseinschätzung des Partners.

Besonders problematisch ist die Erwartung ständiger Gegenseitigkeit. Zuneigung, Unterstützung oder Kompromisse werden dann schneller zu einer Art Tauschgeschäft. Wer etwas gibt, verlangt dafür eine direkte Gegenleistung. In belasteten Beziehungen kann das Misstrauen verstärken und Konflikte verschärfen.

Die Entwicklung verlief nicht nur von der Persönlichkeit zur Beziehung. Verbesserte sich die Partnerschaft, nahmen dunkle Eigenschaften teilweise ebenfalls ab. Zufriedenheit, Verlässlichkeit und eine stärkere Bindung gingen mit günstigeren Veränderungen bei den untersuchten Merkmalen einher.

Braig beschreibt diesen wechselseitigen Prozess so: „Persönlichkeit und Beziehung entwickeln sich nicht unabhängig voneinander. Vielmehr beeinflussen sie sich wechselseitig.“ Damit erfasst die Untersuchung nicht nur feste Charakterzüge. Sie betrachtet Persönlichkeit als etwas, das sich auch durch wiederkehrende Erfahrungen in einer Partnerschaft verändern kann.

Unter den drei untersuchten Eigenschaften zeigte Narzissmus die beständigsten Verbindungen zur Beziehungsentwicklung. Eine stärkere Ausprägung ging häufiger mit weniger Zufriedenheit und schwächerer Bindung einher.

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