Blähbauch nach dem Trinken: Ernährungsexperte erklärt, warum Kohlensäure daran unschuldig ist
Nicht nur Lebensmittel können aufblähen – auch manche Getränke liefern reichlich Material, das der Dünndarm nicht vollständig aufnehmen kann und das anschließend im Dickdarm von Bakterien abgebaut wird .
Eine wissenschaftlich belegte Rangliste, welches Getränk am meisten bläht, gibt es allerdings nicht – zu unterschiedlich sind Trinkmenge, persönliche Verträglichkeit und die Zusammensetzung des Darmmikrobioms.
Uwe Knop ist evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle .
Die entscheidende Frage ist, was in einem Getränk steckt. Fruchtzucker und bestimmte Zuckeralkohole können im Dünndarm dosisabhängig nur begrenzt aufgenommen werden. Darum ist das Glas Apfelsaft eher schuld am Blähbauch als ein Sprudelwasser. Vier Getränkekategorien sind daher unter dem Gesichtspunkt besonders interessant.
Milchzucker betrifft einen eigenen Mechanismus: Er wird nur bei unzureichender Laktase-Aktivität im Dünndarm nicht vollständig gespalten. Betroffenen fehlt im Dünndarm ausreichend Laktase, das Enzym, das den Milchzucker Laktose in seine Bestandteile zerlegt. Gelangt diese nun in den Dickdarm, wird sie dort von Bakterien abgebaut und kann dabei Gase bilden.
Wie stark das anschließend als Blähung wahrgenommen wird, ist individuell verschieden: Mehr Gas bedeutet nicht automatisch mehr Beschwerden. Manche Menschen reagieren bereits auf geringe Mengen empfindlich, während andere deutlich größere Mengen problemlos vertragen.
Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass Milch generell ein Blähgetränk ist: Viele Menschen vertragen normale Mengen problemlos, und auch Menschen mit eingeschränkter Laktoseverdauung reagieren nicht zwangsläufig auf jede kleine Portion.
Besonders interessant sind Fruchtsäfte. Apfel- und Birnensaft enthalten reichlich Fruchtzucker und zusätzlich Sorbit, einen Zuckeralkohol. Beide Stoffe können bei empfindlichen Menschen den Dünndarm teilweise passieren und im Dickdarm von Bakterien abgebaut werden.
Der entscheidende Unterschied zum ganzen Apfel oder zur ganzen Birne: Ein Glas Saft liefert die Inhaltsstoffe mehrerer Früchte in kurzer Zeit und damit schnell eine größere Menge. Wer den Saft auf einmal trinkt, kann seinem Darm deshalb eine deutlich größere Portion davon zumuten, als er beim gemütlichen Essen eines einzelnen Stücks Obst aufnehmen würde.
Auch Pflaumensaft ist ein besonderer Kandidat: Er enthält natürlicherweise viel Sorbit. Dieser Zuckeralkohol kann bei empfindlichen Menschen nicht vollständig aufgenommen werden und gelangt dann in den Dickdarm, wo Bakterien ihn abbauen.
Genau deshalb wird Pflaumensaft traditionell auch als Mittel gegen Verstopfung eingesetzt: Sorbit bindet Wasser im Darm und macht den Stuhl dadurch weicher. Gelangt jedoch zu viel davon in den Dickdarm, kann das bei größeren Mengen zu Blähungen und Bauchgrummeln führen.
Und was ist mit Mineralwasser, Limonade, Bier oder Sekt? Hier liegt ein verbreiteter Irrtum vor: Die Kohlensäure selbst ist nicht der klassische Verursacher von Darmblähungen .
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