EU-Arktis-Gipfel: Finnlands Botschafter warnt vor Einfluss Chinas und Russlands
Vor dem EU-Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi warnt der finnische Botschafter in Deutschland vor wachsendem Interesse Chinas und Russlands an der Region. »Es besteht wirtschaftliches Interesse, es besteht Interesse an den seltenen Mineralien und auch an den sich öffnenden Seewegen«, sagte der Diplomat Kai Sauer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. »Das merkt man in Grönland und auch in unserem Umfeld.«
Angesichts des jüngsten Besuchs von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Grönland und des von ihr angekündigten Investitionspakets für die Insel in Höhe von 200 Millionen Euro sagte Sauer: »Wir hoffen, dass sich das europäische Interesse nicht nur auf Grönland begrenzt, sondern die gesamte Arktis umfasst.«
Der Botschafter äußerte sich selbstbewusst über die Rolle Finnlands . »Wir sind ein starker Player in der Arktis und müssen uns nicht verstecken«, sagte Sauer. Finnland plane 80 Prozent aller Eisbrecher weltweit, 60 Prozent dieser Schiffe würden in Finnland hergestellt – »auch wenn andere sich große Mühe geben«.
Mit Blick auf die Nato mahnte der in Hamburg geborene Diplomat eine führende Rolle der Bundesregierung bei der Neugestaltung der Allianz an. Angesichts des nachlassenden Interesses der US-Regierung an dem Bündnis sei es wichtig, »dass die Nato strukturiert und stabil europäisiert wird«, sagte Sauer.
An dem zweitägigen Arktis-Gipfel nehmen ab Sonntag auf Einladung des finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo die Staats- und Regierungschefs mehrerer EU-Länder, unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) , sowie Vertreterinnen und Vertreter der EU-Institutionen teil. Bei dem Gipfel soll über eine Neuausrichtung der europäischen Arktispolitik beraten werden, unter anderem in den Bereichen Sicherheit, Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Eine überarbeitete EU-Arktisstrategie soll noch in diesem Herbst vorgestellt werden.
Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis deutlich gewachsen. Zudem lagern in der Region wertvolle Rohstoffe. Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, aber auch wegen der Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das zu Dänemark gehörende Grönland zu annektieren, nahmen die Spannungen in der Region zu.
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