Herausforderer für Selenskyj?: Fedorows halbherzige Rebellion ist gescheitert - vorerst
Scharf kritisiert der geschasste Ex-Verteidigungsminister Fedorow das ukrainische Regierungssystem, fordert gar Neuwahlen. Einen Gefallen tut er sich damit eher nicht. Präsident Selenskyj kann noch einmal Autorität demonstrieren - geht aber nicht unbeschädigt aus dem Konflikt.
Zum Kommunikationsstil des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gehört, sich an beinahe jedem späten Abend an das eigene Volk zu richten. Seit dem russischen Großüberfall vom 24. Februar 2022 hält das Staatsoberhaupt an diesen Videoansprachen fest, wenn auch nicht an jedem Tag. Am Dienstagabend gab es allerdings keine der üblichen Videobotschaften. Stattdessen diskutierte das Land über jene rund neun Minuten, die Mychajlo Fedorow aufgezeichnet hatte. Der ist einen Monat zuvor nach nur einem halben Jahr aus dem Amt des Verteidigungsministers entlassen worden. Scharf und ausführlich kritisierte Fedorow nun, das System der Staatsführung der Ukraine. Er deutete Korruption im Verteidigungsbereich des Landes an und sprach sich sogar für Neuwahlen aus - trotz des weiterhin tobenden Krieges.
Selenskyjs jüngste Personalrochade von Mitte Juli hat das Land in die schwerste innenpolitische Krise seit 2022 geführt. Sie traf unter anderem Fedorow. Der 35-Jährige wurde faktisch aus dem Amt geworfen, nachdem seine Ernennung einst viele Hoffnungen geweckt hatte auf einen technologischen Wandel zugunsten der ukrainischen Streitkräfte. Die Straßenproteste gegen Fedorows Entlassung zählen zu den bedeutendsten seit Beginn des offenen Konflikts mit Russland im Jahr 2014. Sie gingen auch weiter, nachdem Selenskyj zusätzlich den erfahrenen Armeechef Oleksandr Syrskyj entlassen hatte. Syrskyj trug einen persönlichen Konflikt mit Fedorow aus und galt als Treiber hinter dessen Abberufung. Die Proteste hielten sogar an, als mit Mychajlo Drapatyj die eindeutige Wunschlösung der Demonstranten zum Syrskyj-Nachfolger wurde.
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