O2, Telekom und Vodafone - Sicherheitslücke in deutschen Handynetzen entdeckt
Kurz bei Freunden oder Familie durchklingeln: Nummer antippen, grüner Hörer – fertig. Was in den Sekunden bis zum Abheben technisch im Hintergrund passiert, bekommen Nutzer normalerweise nicht mit. Genau dabei gab es zuletzt offenbar ein Sicherheitsproblem: In bestimmten Fällen konnten brisante Handydaten für den Anrufer sichtbar werden.
Das zeigen Recherchen des „ Bayerischen Rundfunks " (BR). Dafür führten Reporter mehr als 70 Testanrufe durch. Welche Daten beim Anruf sichtbar wurden, hing vom jeweiligen Mobilfunknetz ab. Bei Telekom und Telefónica (O2) ließ sich in mehreren Fällen die 15-stellige IMEI des angerufenen Smartphones auslesen. Sie ist die eindeutige Kennnummer eines Handys.
Bei Telekom und Vodafone waren zudem Smartphone-Modell und Betriebssystemversion zu erkennen. Allerdings passierte das nicht bei jedem Anruf. Offenbar mussten dafür bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein. Seit wann die Lücke bestand, ist noch unklar.
Harmlos sind die Daten dabei keineswegs. Aus Smartphone-Modell und Softwareversion lässt sich etwa ableiten, ob wichtige Sicherheitsupdates fehlen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft die Schwachstelle deshalb als „sicherheitsrelevant“ ein. Auch staatliche Angreifer könnten die Informationen für gezielte Attacken nutzen.
Wie leicht solche Informationen ausgelesen werden konnten, zeigte ein Test mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter. Die Reporter konnten bei einem Anruf die IMEI seines Smartphones auslesen und daraus das genaue Gerätemodell bestimmen. Kiesewetter sprach anschließend von einem möglichen „Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste“ und zeigte sich alarmiert – auch mit Blick auf seine Familie und sein Team.
Nachdem der BR die Anbieter Ende Juni informiert hatte, reagierten sie. Telefónica erklärte, bereits Gegenmaßnahmen umgesetzt zu haben. Vodafone begrenzte ebenfalls die Informationen, die beim Verbindungsaufbau übertragen werden. Die Telekom kündigte Änderungen im eigenen Netz an.
Der Fall hatte auch international Folgen: Der Mobilfunkverband GSMA warnte seine mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen und empfahl ihnen, ihre Netze zu überprüfen. Wie sensibel die betroffenen Informationen sind, zeigt auch die Einschätzung der Bundesnetzagentur: Die IMEI zählt zu den besonders schützenswerten Kundendaten. Für den Verbindungsaufbau beim Empfänger wird sie gar nicht gebraucht. Genau deshalb soll sie das Mobilfunknetz auch nicht verlassen.
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