Sachsen-Anhalt: Wie sich Ulrich Siegmund und Sven Schulze im TV-Duell geschlagen haben
Eine knappe halbe Stunde schon streiten sie sich, da wird beim AfD-Spitzenkandidaten für Sachsen -Anhalt plötzlich eine Wahrheit sichtbar. Immer wieder war Ulrich Siegmund von der Moderation – aber auch von seinem Gegner Sven Schulze ( CDU ), dem amtierenden Ministerpräsidenten, konkret nach Maßnahmen gefragt, mit denen er das Bundesland voranbringen will. Fast immer antwortete Siegmund mit Allgemeinplätzen, wich aus, führte die Migration, das Lieblingsproblem seiner Partei, an.
Nun aber meinte er, sollte er Ministerpräsident sein, dann bliebe wohl doch noch vieles beim Alten. Denn, man sei ja in Magdeburg »abhängig von den völlig verrückten Entscheidungen in Berlin«. Dort müsse das große Rad gedreht werden, dort müsse man hin. »Sachsen-Anhalt ist der erste Schritt«, orakelt Siegmund. Dann, gleiches prophezeit er auch bei seinen Wahlkampfauftritten, werde man »Geschichte schreiben«. Sein möglicher Wahlsieg, so muss man Siegmund verstehen, soll kein Sieg sein, der den Menschen in Sachsen-Anhalt hilft.
Der entlarvende Moment ist nur von kurzer Dauer, denn Zeit zum Zuhören und Verstehen ist kaum an diesem Abend in Magdeburg. Der MDR hat zum TV-Duell geladen, elf Tage vor der Landtagswahl. Es ist der erste große Schlagabtausch von Schulze und Siegmund im Live-Format, für die kommende Woche sind weitere Duelle geplant.
Gut eine halbe Stunde haben beide Zeit für ihr Duell, dann lädt der MDR die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten von Linke, SPD , FPD, Grüne und BSW hinzu. Das Redetempo ist hoch, die Themenbreite ebenso. Von der Migration geht es über Wirtschaft zur Bildung, es wird über Sicherheit und Patentrecht gestritten, geht weiter zu Energiepreisen und Inklusion.
Angeheizt ist die Stimmung im Studio durch eine erst am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Instituts Infratest dimap. Denn Siegmund muss plötzlich um seine anvisierte Alleinregierung bangen.
Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD kommt aktuell auf 42 Prozent, faktisch fast doppelt so viel wie bei ihrem Wahlergebnis vor fünf Jahren. Die CDU liegt aktuell bei 22 Prozent. Bei den Beliebtheitswerten liegt allerdings CDU-Spitzenkandidat Schulze leicht vor Siegmund.
Regieren könnte die AfD trotz ihres hohen Vorsprungs nicht, denn die Umfrage weist auch 11 Prozent für die Linke und steigende Werte für SPD (8 Prozent) und Grüne (6 Prozent) aus. Je mehr Parteien in den Landtag einziehen, desto wahrscheinlicher verpasst die AfD eine Sitzmehrheit.
Für Siegmund und Schulze geht es bei diesem TV-Duell also um viel. Doch es ist Schulze, der über viele Sendeminuten die bessere Figur macht. Beide Männer sind auf Krawall gebürstet, dem CDU-Mann gelingen die Attacken jedoch deutlich besser. Zwar fällt Schulze seinem AfD-Konkurrenten auffällig oft ins Wort, wirkt aber zugleich ruhig und gut vorbereitet. Immer wieder platziert er Angriffe, stellt Siegmund Fragen zu dessen neonazistischen Umfeld und menschenfeindlichen Formulierungen aus dem AfD-Wahlprogramm (mehr zum rechtsextremen Netzwerk Siegmunds lesen Sie hier ).
Und der Angesprochene? Wirkt schnippig, weicht aus, windet sich.
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