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Anschlag mit 270 Toten - Lockerbie-Prozess verschoben

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Anschlag mit 270 Toten - Lockerbie-Prozess verschoben

Washington (USA) – Der Prozess um den Bombenanschlag auf den Pan-Am-Flug 103 im Jahr 1988 ist kurzfristig verschoben worden. Eine US-Richterin setzte die für Mittwoch geplante Geschworenen-Auswahl aus, nachdem die Verteidigung neue Beweise zur Prüfung erhalten hatte. Bei dem Flugzeugabsturz über dem schottischen Lockerbie am 21. Dezember 1988 starben 270 Menschen.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Bombenbauer Abu Agila Mohammad Masud Kheir Al-Marimi ist der erste in den USA wegen des Terroranschlags. Der ehemalige libysche Geheimdienst-Mitarbeiter wird beschuldigt, die Bombe hergestellt zu haben, die das Flugzeug zum Absturz brachte. Die meisten der Getöteten waren Amerikaner. Richterin Dabney Friedrich machte keine Angaben zur Art der neu entdeckten Beweise.

Kara Weipz ist die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Opfer-Organisation „Victims of Pan Am Flight 103“. Sie sagte, ihre Organisation habe keine Einzelheiten über die neuen Beweise erhalten. Weipz’ Bruder Richard Monetti wurde bei dem Absturz getötet.

Sie bezeichnete die Verschiebung als Schock und wies darauf hin, dass einige Angehörige bereits ihre Koffer für die Reise zum Prozess gepackt hätten. „Gleichzeitig suchen wir seit fast 38 Jahren nach der Wahrheit darüber, was passiert ist“, sagte Weipz. „Wenn das der Grund dafür ist, dann ist das eine gute Sache, und diese Verzögerung ist es wert. ... Es ist wichtig, alle Fakten zu hören.“

Pan-Am-Flug 103 befand sich mehr als neun Kilometer über Lockerbie, als 38 Minuten nach dem Start von London eine Bombe explodierte. Das Flugzeug war auf dem Weg nach New York. Bei der Explosion kamen alle 259 Insassen sowie elf Menschen am Boden ums Leben. Die Trümmer zerstörten dort einen gesamten Häuserblock.

Die Staatsanwaltschaft wirft Marimi und anderen vor, den Anschlag auf Anweisung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi verübt zu haben. Gaddafi wurde während des libyschen Bürgerkriegs 2011 gestürzt und getötet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft arbeitete Marimi von etwa 1973 bis 2011 für den libyschen Geheimdienst und stieg dort bis zum Rang eines Obersts auf. Er soll die Bombe auf den Weg gebracht haben. Marimi ist heute Mitte 70 und wegen der Zerstörung eines Luftfahrzeugs mit Todesfolge angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. (AP/ias)

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