Ganz besondere Szenen - Fans singen Klub-Hymne in voller Kirche
Dieses Ereignis ist einmalig in Deutschland! Die Dresdner Frauenkirche feierte den 300. Jahrestag ihrer Grundsteinlegung mit einem Fußball-Chor. Die Fans von Dynamo Dresden machten das Gotteshaus voll. Es schallten sowohl Kirchenlieder als auch Anfeuerungsrufe von den Rängen.
„Ich war zuerst verblüfft und stutzig“, gibt Pfarrer Markus Engelhardt (65) zu, was er dachte, als der Zweitligist Anfang des Jahres mit der Idee auf ihn zukam, den historischen Festakt gemeinsam zu begehen. Doch es wurde ein Erfolg auf allen Ebenen unter der schönsten Kuppel Dresdens.
Emotionaler Höhepunkt: die Gesänge. Einerseits typisch Stadion, andererseits kirchliche Elemente, eine gute Mischung. „Von Liverpool bis nach Turin, jeder kennt die SGD“, wird von den Kirchenbänken zu Orgelmusik geschmettert. Aber: Die Dynamo-Fans singen unter Anleitung des Kirchenchors auch lateinisch „Dona nobis pacem“ (deutsch: „Gib uns Frieden“). Alle müssen herzlich lachen, als der Chorleiter nach dem ersten Versuch gleich staunt: „Gar nicht so schlecht.“
Der Zauber des Moments für die neue Kooperation wird klar, als Engelhardt und die Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche, Maria Noth, die eigens angefertigten Schals mitschwenken. Keineswegs selbstverständlich, gerade in Dresden nicht. Denn Dynamo ist ein Kind der DDR-Zeit, in der die Frauenkirche als Kriegsruine daliegt. Der Glaube wurde zum Opfer des Systems und unterdrückt, bis später aber in Kirchenräumen die Friedliche Revolution beginnt. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung kann mit anderen Personen und Offenheit Neues wachsen.
So heben alle die Schals und singen die Vereinshymne „Der zwölfte Mann“ in der selten noch so restlos vollen Frauenkirche. „Ich bin normal nicht kirchlich, aber das wollte ich mir schon mal ansehen“, beschreibt es ein Fan lange vor dem Festakt. Denn um 18 Uhr startete davor eine Andacht.
In einer Zeit kleiner werdender Kirchen bedarf es eines umso höheren bürgerschaftlichen Engagements für Frieden und den Erhalt von Gotteshäusern, heißt es dort sinngemäß. Der Schlüsselsatz von Engelhardts Kollegin Angelika Behnke (53): „Ein gutes Spiel beginnt im Kopf.“ Als Dynamo-Anhänger in der Pause rausgehen, wird getuschelt: „Da hat die Pfarrerin recht.“
Das Entscheidende des Abends ist nicht der fromme Glaube, sondern die Glaubwürdigkeit. Sie wird an Dynamos Sport-Geschäftsführer Sören Gonther (39) sichtbar. „Ich bin selber christlich. Meine Tochter ist Konfirmandin, meine Kinder sind alle getauft. Wenn ich sie ins Bett bringe, wird auch ein Gebet gesprochen. Meine Mutter ist in der Heimat im Kirchenvorstand“, verrät der Ex-Profi. „Durch den Fußball und das Fernsehen bin ich viel gewohnt, aber diese Aura hier hat wirklich Gänsehaut und Ehrfurcht gemacht.“
Passend zum Veranstaltungsmotto „Frieden auf unseren Plätzen“, hebt Pfarrer Engelhardt einmal den Zeigefinger, verweist darauf, dass Fan-Vorfälle in Stadien eben nichts Tolerierbares sind. Authentisch, es gibt dort keine Gegenmeinung.
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