Außenminister Wadephul in der Drohnen-Todeszone - Wir können uns von den Ukrainern eine Scheibe abschneiden!
Kiew – Der Krieg tobt in Charkiw direkt vor der Tür. Nur knappe 30 Kilometer ist die Front entfernt. Täglich heult in der Stadt mehrfach der Drohnenalarm. Auch am Sonntag, als Außenminister Johann Wadephul überraschend dort auftaucht. BILD ist mit dabei.
Wadephul lässt sich gerade ein Kraftwerk der Stadt zeigen. Plötzlich wieder Sirenenheulen. Warnapps auf den Handys schrillen. Es gibt eine kurze Verabschiedung, dann verschwindet Deutschlands Außenminister in seinem gepanzerten SUV und der Ministertross brettert vom Gelände.
In der Millionenstadt will der CDU-Politiker sehen, wie die Menschen mit der ständigen Todesgefahr durch Putins Drohnen leben. Schon auf dem Weg nach Charkiw zeigt sich die ganze Kriegsbrutalität: Auf einem Friedhof wehen Ukraine-Fahnen an Soldatengräbern. Russland hat etliche Tankstellen zerbombt. Lagerhallen zerschossen. In einem Feld lauert eine mobile Drohnenabwehreinheit der Ukrainer . Der Militärcheckpoint zur Stadt ist mit Anti-Drohnennetzen überspannt.
Charkiw selbst stemmt sich seit Kriegsbeginn erfolgreich gegen die Russen-Aggression. Wadephul beeindruckt die „unheimliche Widerstandsfähigkeit“ und der „Geist, dem russischen Feind zu widerstehen und das Leben aufrechtzuerhalten“. Trotz Frontnähe wirkt die Stadt gelassen. Menschen warten auf Busse, fahren Straßenbahn, gehen spazieren, leben ihren Alltag.
Und doch: Immer wieder schlagen Drohnen und Raketen in der Stadt ein. Immer wieder sterben Menschen. Deshalb verlagert Charkiw in vielen Bereichen das Leben unter die Erde, baut sogar eine Untergrund-Uni. Ab September gibt es unter Tage Platz für 2500 Studis. Zwei davon: Lesia und Yuliia (beide 18). In BILD erklären sie: „Das ist schon hart hier mit den Drohnen und Raketen.“ Doch wegziehen aus ihrem Charkiw? „Niemals! Wir lieben unsere Heimatstadt.“
Auch das Kraftwerk, das Wadephul besucht, bereitet sich auf neue Angriffe vor. Wichtige Anlagen sind mit riesigen Drohnenschutznetzen gesichert, auf dem Gelände entstehen Bunker für die Energieversorgung. Auf dem Areal gilt absolutes Foto-Verbot. Schon als der Außenminister ankommt, schrillt der Raketenalarm. Personenschützer öffnen dessen Autotür erst, als die Lage sicher ist.
Wadephul ist fasziniert von der Mentalität der Menschen: „Die Ukrainer klagen nicht“, obwohl es ihnen schlechter gehe als uns. Davon, sagt Wadephul, könnten wir Deutschen uns manchmal „eine Scheibe abschneiden“.
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