Nach dem Brexit: Briten sollen Schweden verlassen
Briten in Schweden Frist verpasst - zurück nach Großbritannien? Stand: 27.08.2026 • 07:07 Uhr
Schweden galt lange als offen für Zuwanderung. Doch seit einigen Jahren gilt eine andere Linie: Schweden will Migration deutlich stärker einschränken. Das trifft auch Briten, die eine Frist nach dem Brexit verpasst haben.
Nichts ahnend saß Joyce Thomas 2022 im Flugzeug auf dem Weg nach Schweden. Die 78-Jährige kam damals zusammen mit ihrem Mann zurück von einem kurzen Ausflug in ihre alte Heimat Großbritannien. In Schweden mussten die beiden durch die Passkontrolle - eigentlich Routine. "Eine Beamtin hielt uns an und sagte, mit ihrem Pass stimmt etwas nicht. Haben sie einen Brief bekommen? Mein Mann sagte: nein, warum? Sie sagte, wegen des Brexits hätten sie in Schweden einen neuen Antrag auf Aufenthaltsrecht stellen müssen. Aber sie sind nicht die einzigen. Hunderte Menschen kommen hier durch, bei denen es ähnlich aussieht."
Das Problem: Joyce Thomas lebt zwar seit mehr als 20 Jahren in Schweden, besitzt aber einen britischen Pass. Nach dem Brexit Anfang 2020 mussten britische Bürger einen neuen Antrag für dauerhaften Aufenthalt in Schweden stellen. Davon hat Joyce Thomas aber nie etwas erfahren, erzählte sie dem schwedischen Radio.
Thomas stellte 2022 einen Antrag in Schweden bleiben zu dürfen. Der wurde von den schwedischen Behörden aber abgelehnt. Begründung: Die Frist für den Antrag war Ende 2021 abgelaufen. Die schwedische Migrationsbehörde teilt auf ARD- Nachfrage schriftlich mit, sie habe unter anderem auf ihrer Internetseite rechtzeitig auf das Thema aufmerksam gemacht.
"Es wurden keine direkten Anschreiben in Form von Briefen an die in Schweden lebenden britischen Staatsbürger verschickt, weil dafür kein Auftrag erteilt wurde. Wie bei allen Gesetzesänderungen liegt eine große Verantwortung beim Einzelnen, sich darüber zu informieren, welche Regeln gelten", heißt es von der Behörde.
In der Migrationspolitik macht in Schweden den Lebenswandel zu einem Kriterium für das Bleiberecht. mehr
Es habe zwar Informationskampagnen gegeben, etwa von der britischen Botschaft, sagt der Journalist James Savage vom englischsprachigen Medium The Local Sweden. Aber die Infos hätten viele nicht erreicht. "Dazu gehören vor allem ältere Menschen und diejenigen, die so gut in Schweden integriert waren, dass sie sich gar keine Gedanken mehr um die Bürokratie gemacht haben. Sie haben ihre schwedische Aufenthaltserlaubnis innerlich gar nicht mehr mit der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens verknüpft", sagt Savage.
Wer den Antrag zum Beispiel wegen einer langen Krankheit nicht rechtzeitig stellen konnte, auf den werde Rücksicht genommen, teilte die schwedische Migrationsbehörde mit. Journalist Savage vermutet, dass es den schwedischen Behörden vor allem darum geht, Handlungsstärke zu zeigen. "Sie sagen, wir haben halt strenge Regeln für Migration. Es gab eine Frist für den Antrag auf den Aufenthaltstitel. Wer sie verpasst hat, lebt illegal im Land. Und wir machen da keine Ausnahme."
Für Joyce Thomas ist das alles nur schwer zu verstehen. Der Ehemann der 78-Jährigen ist inzwischen gestorben und wurde in Schweden begraben. Ihr Sohn und ihre Enkel leben hier.
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