Waldbrände: Angst vor der Feuerfront in der Eifel
Bilder von verheerenden Waldbränden sind bisher weit weg gewesen. Große Feuer wüteten in den vergangenen Monaten etwa in Spanien und Frankreich. Doch plötzlich bangen auch in der Eifel in Nordrhein-Westfalen Tausende Menschen um ihr Zuhause, um ihre Heimat. Die Bedrohung ist quasi vor der Haustür angekommen.
Für Monschau, das idyllische Fachwerkstädtchen mit zahlreichen Touristen, wird ein Waldbrand im Hohen Venn zur Gefahr. Auf belgischer Seite tobt in dem Hochmoor ein riesiges Feuer und auch zieht auch auf die deutsche Seite.
Stunde für Stunde wird genau beobachtet, wie sich die Feuerwalze bewegt. Laut Eifelstadt sind es am Sonntagmittag noch weniger als zwei Kilometer bis zur deutschen Grenze.
In Plattevenn, einem kleinen Fleckchen in Monschau, haben manche in der Nacht neben gepackten Koffern übernachtet. Bauernhöfe und das ein oder andere Haus stehen hier zwischen Feldern. Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner zwei weiterer Siedlungen gab es die Empfehlung, wegen der Rauchgase vorübergehend ihr Zuhause zu verlassen.
Die Stadt rät das später weiteren 5.000 Einwohnern, die ebenfalls in den Ortsteilen Mützenich und Kalterherbeg von beißendem Brandgeruch betroffen sind. Eine Evakuierung ordnet die Verwaltung aber zunächst nicht an. Trotzdem weiß niemand so recht, ob es dabei bleibt und wann die Bedrohung vorbei sein wird.
«Wir waren vorbereitet», sagt ein verunsichertes Paar aus Plattevenn. Sie konnten zwar bleiben, aber die Anspannung nagt an ihnen. «Als wir aufgewacht sind am Morgen, haben wir einen großen Schrecken bekommen. Das Haus lag im Nebel. Wir dachten aber zuerst, es ist Rauch vom immer näher kommenden Waldbrand.»
Auch Angehörige, Freunde und Bekannte sind besorgt, wollen aber nicht in Panik verfallen. «Ich hatte meine Tasche gepackt, aber im Augenblick ist alles ganz normal. Mach Dir keine Sorgen», beruhigt am Handy eine Frau ihren Gesprächspartner - und geht mit ihrem Hund spazieren, wie immer.
Die Menschen halten zusammen, erkundigen sich nach anderen. Die Unruhe wächst aber angesichts der anhaltenden Feuerfront und Brandentwicklung. Spaziergänger berichten einem dpa-Reporter in Plattevenn von einem Landwirt, dessen Hof sehr nah an der belgischen Grenze liegt. Er habe in der Nacht seinen Hof vorsorglich immer wieder mit Wasser bespritzt.
In Hürtgenwald spürt man dagegen ein Aufatmen. Der größte Waldbrand in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen ist unter Kontrolle, wie Landrat Ralf Nolten (CDU) am Sonntagabend erklärte. Die Zahl der Einsatzkräfte kann deutlich reduziert werden. Auch die Zahl der Löschhubschrauber nimmt deutlich ab.
Am Samstagabend kehrten die ersten der rund 2.000 Bewohner des evakuierten Ortsteils Gey in ihre Wohnungen und Häuser zurück, wie eine Sprecherin des Kreises schilderte. Am Sonntagmorgen waren nach Behördenangaben zwei Drittel der Betroffenen wieder vor Ort.
Nicht alle, die in der Nacht eilig gehen mussten, waren zuversichtlich, dass sie ihre vier Wände jemals wieder heile sehen würden. Und tatsächlich war es wohl knapp - die Flammen näherten sich aus 250 Meter.
Annett und Dirk Conrad sind mit ihrem siebenjährigen Sohn Killien aus einem Hotel in Düsseldorf zurück in Gey.
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