Wie sich die EU von einem Milizenführer erpressen lässt
Exklusiv Migrationsabwehr im Mittelmeer Wie sich die EU von einem Milizenführer erpressen lässt Stand: 19.08.2026 • 05:05 Uhr
Die EU plant eine engere Zusammenarbeit mit Ostlibyen, um die Fluchtroute nach Kreta zu schließen. Das zeigen vertrauliche Unterlagen, die Report Mainz und dem Spiegel vorliegen. Experten warnen: Wieder liefere sich Europa einem Autokraten aus.
Ende Juli an der Südküste Kretas, eine Gruppe von 76 Geflüchteten liegt erschöpft am Strand. Sie sind gerade über das Meer gekommen, aufgebrochen in Ostlibyen. Nur ein paar Meter entfernt planschen Touristen im Wasser - ein Szenario, wie es seit zwei Jahren häufiger vorkommt. Denn immer wieder erreichen Boote mit Migranten auf dieser Route Kreta.
In Ostlibyen herrschen der Milizenführer Khalifa Haftar und seine Söhne. Menschenrechtsorganisationen werfen ihnen Kriegsverbrechen vor. Lange kämpften Haftars Truppen gegen die Regierung in der Hauptstadt Tripolis, das Land ist gespalten. Die Parallel-Herrschaft der Haftars im Osten Libyens wird von der EU nicht anerkannt. Doch nun hat der Milizenführer einen Trumpf in der Hand: Geflüchtete.
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"Haftar und seine Söhne sind in der Lage, diese Migrationsrouten zu öffnen und zu schließen, so wie sie wollen, und man macht sich im Grunde erpressbar. Und die EU geht darauf ein", sagt Wolfram Lacher, Libyen-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Denn die EU will sich Haftar nun tatsächlich annähern. Dies zeigen zahlreiche vertrauliche Unterlagen, die dem ARD-Politikmagazin Report Mainz und dem Spiegel vorliegen.
So will Brüssel unter anderem langfristige Trainings für die ostlibysche Küstenwache finanzieren, eine Radarstation zur Verfügung stellen und eine "maritime Rettungsleitstelle" in Bengasi errichten. Das Ziel wird klar formuliert: "Migration eindämmen." Hierzu laufen seit längerer Zeit so genannte technische Gespräche, auch mit ostlibyschen Funktionären.
Die internen Unterlagen zeigen nun, wie sich die EU von den Haftars unter Druck setzen ließ - obwohl sie den Erpressungsversuch durchschaute. So zitiert das Auswärtige Amt Anfang Juli aus einem Treffen in Brüssel: "Haftars nutzten Migranten als Mittel zum Zweck und Geschäftsmodell. (…) Die EU habe Ostlibyen bisher nichts anbieten können, dies werde sich hoffentlich ändern." Gemeint ist offenkundig die geplante Zusammenarbeit.
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Hierfür soll die EU-Marinemission "IRINI" einen neuen Fokus bekommen. Bisher umfasste das Mandat der Mission hauptsächlich den Kampf gegen Waffenschmuggel sowie das Sammeln von Informationen über Ölschmuggel - ein Vorgehen vor allem gegen die Haftars. Die anerkannte libysche Regierung in Tripolis hatte sich laut den vorliegenden Unterlagen für ein deutlich entschiedeneres Vorgehen eingesetzt.
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