Fehlinvestitionen auch bei Kirchenbezirken, Pensionskassen und TÜV
Exklusiv Fehlinvestitionen auch bei Kirchen Himmlische Rendite, höllisches Ende Stand: 19.08.2026 • 06:03 Uhr
Nicht nur Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen, sondern auch Kirchenbezirke, Pensionskassen und der TÜV verloren Millionen mit riskanten Immobilienfonds. Das zeigen neue Recherchen von NDR , WDR und SZ.
Der Kreis der Geschädigten des umstrittenen Veriusfonds ist größer als bislang bekannt. Auch die evangelische Kirche im Hamburger Osten war zu gutgläubig und investierte Teile ihres Geldvermögens in den Veriusfonds. Mit dem hatten nach Angaben aus Finanzkreisen 20 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen (KV) offenbar 400 Millionen Euro verloren.
Nach Recherchen von NDR , WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) haben zudem etwa 50 Altersversorgungswerke und Kirchenbezirke zusammen knapp eine Milliarde Euro direkt in den Veriusfonds investiert.
Immerhin: Der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Hamburg-Ost ist eine der wenigen Einrichtungen, die zu ihren Fehlinvestitionen stehen. "Wir haben in den Fonds investiert", räumen die Hamburger Protestanten ein. "Teile davon haben wir bereits in der Vergangenheit abgeschrieben und aktuell sind wir dabei, die Abschreibung zu finalisieren." Damit ist das Geld faktisch verloren - eine Einschätzung, die auch betroffene Krankenkassen teilen, deren Investitionen sich nach ihrer Einschätzung "in Luft aufgelöst" haben.
Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben wohl Beitragsgelder in fragwürdige Immobilienfonds investiert. mehr
Die Fehlinvestments kommen inzwischen auch bei der Basis an. Bei dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk Hamburg-Ost "fällt die Ausschüttung der Erträge des Geldvermögens für alle unsere Körperschaften in diesem Jahr geringer aus", heißt es auf Anfrage. Nicht betroffen von den Kürzungen seien die Renten- und Pensionsansprüche der Beschäftigten.
Auch der Evengelisch-Lutherische Kirchenkreis Hamburg West/Südholstein räumt auf Nachfrage ein, in den Veriusfonds investiert zu haben und gibt das Geld inzwischen verloren. "Wir rechnen nicht mehr mit nennenswerten Rückflüssen", teilt der Kirchensprecher mit. "Dass es zu diesem Verlust gekommen ist, bedauern wir. Als Kirchenkreis tragen wir Verantwortung für die uns anvertrauten Mittel und diesem Anspruch ist die Anlage im Ergebnis nicht gerecht geworden."
Deutlich weniger auskunftsfreudig gibt sich der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg, der zwar auch von "notwendigen Wertberichtigungen" schreibt. Allerdings wollen die dortigen Protestanten "keine Auskünfte zu Einzelinvestments geben".
Noch verschlossener zeigen sich die betroffenen Katholiken: Nach Unterlagen, die NDR , WDR und SZ vorliegen, floss offenbar auch Geld der Diözese Augsburg in den fragwürdigen Veriusfonds. Die Medienanfrage ließen die Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat allerdings bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet und verwiesen lediglich auf eine laufende Bearbeitung.
Neue Recherchen decken weitere Millionenverluste bei Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen auf.
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