Nach 147 Jahren insolvent - Große Bäckerei-Kette macht jede 3. Filiale dicht
Roßleben (Thüringen) – Mit harten Einschnitten zurück in die Gewinnzone! Die Thüringer Traditionsbäckerei Lampe kämpft sich aus der Insolvenz. Doch die Rettung des Familienunternehmens mit einer 147 Jahre langen Geschichte hat einen hohen Preis.
Vor gut vier Monaten musste die Bäckerei-Kette mit damals 44 Filialen und rund 280 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie die Konkurrenz durch billige Brötchen vom Discounter hatten den Betrieb in die Knie gezwungen.
Nun gibt es erstmals gute Nachrichten: Bei der ersten Versammlung am Dienstag stellten sich die Gläubiger geschlossen hinter den Sanierungskurs. Die Fortführung des Geschäftsbetriebs und die weitere Ausarbeitung eines Insolvenzplans wurden einstimmig bestätigt.
Allerdings müssen die Brüder André und Stephan Lampe für die Rettung des Unternehmens , das sie bereits in sechster Generation führen, harte Maßnahmen hinnehmen. „Bislang wurden drei Filialen geschlossen. Der Sanierungsplan sieht vor, dass weitere zwölf Filialen eingestellt werden“, sagt Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht von der Kanzlei BBORS Kreuznacht Rechtsanwälte zu BILD. Damit verschwindet mehr als jede dritte Filiale aus dem bisherigen Netz.
Schmerzhaft sind auch die Einschnitte bei der Belegschaft. „Insgesamt ist ein Abbau von den aktuell bestehenden Beschäftigungsverhältnissen bis zum Abschluss der Restrukturierung von noch etwa 40 Mitarbeitern vorgesehen“, so Kreuznacht. Zuvor hatten zu Beginn der Insolvenz bereits viele Beschäftigte die Kündigung erhalten. 150 Jobs sollen am Ende übrig bleiben.
Die drastischen Schritte sind notwendig, um weiter Brot zu backen. „Kostenerleichterungen werden sich aufgrund der Stilllegung der Filialen in Verbindung mit dem damit verbundenen Personalabbau sowohl im Hinblick auf die Miet-, Personal- und sonstigen Kosten ergeben“, erklärt der Insolvenzverwalter.
Auch die Schulden sollen deutlich reduziert werden. Dazu laufen Verhandlungen mit den Gläubigern. Ziel ist, die Traditionsbäckerei langfristig wieder profitabel aufzustellen. „Die wirtschaftliche Situation hat sich während des Insolvenzverfahrens positiv entwickelt und stellt sich derzeit sehr stabil dar“, sagt Kreuznacht. Zudem hätten die bisherigen Maßnahmen die Rentabilität bereits deutlich verbessert. Auch die Chancen auf eine erfolgreiche Rettung bewertet der Insolvenzverwalter „als sehr aussichtsreich“.
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