Laut Studie - Warum der Bauchumfang fürs Herz wichtig ist
Viele Menschen orientieren sich am BMI, um ihr Gewicht einzuordnen. Doch ein normaler BMI bedeutet nicht automatisch, dass auch das Herz-Kreislauf-Risiko niedrig ist: Wer viel Fett am Bauch trägt, könnte trotz Normalgewicht ein erhöhtes Risiko haben. Darauf deutet eine große Untersuchung mit mehr als 259.000 Erwachsenen hin, die im Median rund 20 Jahre lang begleitet wurden.
Die Forscher werteten für die Studie Daten aus 15 langfristigen Beobachtungsstudien aus. Das zentrale Ergebnis: Viel Bauchfett war häufig mit einem deutlich höheren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern sowie für Herz-Kreislauf - und Gesamtsterblichkeit verbunden – selbst bei Menschen, die laut BMI als normalgewichtig galten.
BMI und Fettverteilung stimmten häufig nicht überein: Fünf Prozent der Normalgewichtigen hatten einen erhöhten Bauchumfang, 18 Prozent ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis – man spricht davon, wenn im Verhältnis zur Hüfte besonders viel Fett im Bauchbereich gespeichert ist. Umgekehrt hatten manche stark übergewichtige Menschen bei diesen Messwerten bessere Werte. Bei Normal- oder Übergewicht war eine ungünstige Fettverteilung meist mit einem um 15 bis 50 Prozent höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit verbunden.
Auch Prof. Dr. Ulf Landmesser, Direktor der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum der Charité in Berlin, betont die Bedeutung der Fettverteilung: „Erhöhte WC (Taillenumfang) oder WHR (Taille-Hüft-Verhältnis) sind auch bei noch normalem BMI mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden – was auf die Bedeutung des abdominalen Fettgewebes (Fett im Bauchbereich) dafür hinweist.“
Umgekehrt war ein hoher BMI nicht immer mit einer ungünstigen Fettverteilung verbunden: Menschen mit Adipositas und vergleichsweise wenig Bauchfett hatten häufig ein geringeres Risiko als jene mit viel Bauchfett. Als mögliche Erklärung nennt Landmesser entzündungsfördernde Effekte des Bauchfetts.
Die Studienautoren empfehlen , neben dem BMI auch Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis zu messen. Die Aussagekraft ist jedoch begrenzt: Als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen. Zudem fehlten Daten zu Bewegung, Ernährung und genetischem Adipositasrisiko, und die Fettverteilung wurde nur zu Beginn erfasst.
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