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Neun Betriebsversammlungen in sieben Tagen - Showdown-Woche bei Volkswagen

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Neun Betriebsversammlungen in sieben Tagen - Showdown-Woche bei Volkswagen

Wolfsburg – Vor den Werksferien hatte der Betriebsrat dem VW-Vorstand ein Ultimatum gesetzt. Die Arbeitnehmer verlangten Details zu den Sparplänen von Konzernchef Oliver Blume (58) – und drohten mit außerordentlichen Betriebsversammlungen. Antworten gab es nicht, und so muss sich der Vorstand jetzt ab Dienstag vor der Belegschaft erklären. Neun Betriebsversammlungen in sieben Tagen – Showdown im VW-Imperium!

Nach der Aufsichtsratssitzung im Juli teilte das Unternehmen mit, die globale Produktpalette bis 2035 halbieren zu wollen. Vor allem aber ist vom Abbau von 120.000 Stellen die Rede – und der möglichen Schließung von vier Standorten (Emden, Hannover , Zwickau und Audi-Werk Neckarsulm). Im Wolfsburger Stammwerk, in Emden und Zwickau will Blume persönlich vor die Belegschaft treten. Auffällig: Bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover wird Finanzvorstand Arno Antlitz (56) erwartet. In den übrigen deutschen Werken spricht Komponenten-Chef Thomas Schmall (62).

In einem Interview im Intranet bereitete Blume die Mitarbeiter auf schlechte Nachrichten vor: „Die Lage ist mehr als kritisch.“ Der Konzern sei zwar handlungsfähig, habe aber auch akuten Handlungsbedarf, sagte Blume. Zu BILD sagt er: „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen -Konzerns aufgesetzt.“ Das Konzern-Zielbild 2030 ist „ein umfassendes, weltweites Programm für Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturen und Wachstum. Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt.“

Und weiter: „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle.“ Jetzt gelte es, die Ärmel hochzukrempeln: „Für die Menschen, unser Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.“

Blume muss sich allerdings nicht nur vor den Beschäftigten rechtfertigen. Er muss in zwei Wochen auch den Aufsichtsrat hinter sich bringen, um sein „Zielbild 2030“ durchzuboxen. Dort stieß er im Juli auf Widerstand mit seinem Sparprogramm – vor allem bei den mächtigen Arbeitnehmervertretern und den Mitgliedern der Landesregierung. Das Land Niedersachsen hat in dem Kontrollgremium ein Vetorecht und kann strategische Entscheidungen blockieren.

Wie die nächsten Wochen ausgehen, ist also offen. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter verunsichert sind. Trotzdem feierte VW Nutzfahrzeuge am Samstag den 70. Geburtstag des Stammwerks in Hannover. Beim großen Familienfest gab es für aktuelle und ehemalige „Nutzis“ Musik und ein buntes Kinderprogramm. Wegen der ungewissen Zukunft war die Stimmung aber getrübt. „Unterirdisch“ sei die Stimmung, berichtete ein Mitarbeiter. Seinen Namen nennen wollte er wie die meisten aktiven Mitarbeiter nicht. „Ich will gar nicht mehr darüber reden“, meinte ein anderer.

„Man kann sich nicht vorstellen, dass das Werk endgültig kippen wird. Und das wird es auch nicht“, meint Frank Voigt (61). Er hat den passiven Teil der Altersteilzeit erreicht. Dieter Ifland (75) war 35 Jahre bei Volkswagen, zuletzt in der Gießerei.

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