Gesellschaftlicher Wandel: Von Russland lernen, heißt verlieren lernen
Eine der ertragreichsten Fragen als Reporter im Russland der 1990er-Jahre lautete: »Sagen Sie, war es denn früher besser?« Daraufhin antworteten Frauen und Männer: »Oh ja, früher war alles viel besser!« Und dann hörte man, je nachdem, wen man fragte, eine lange Aufzählung: »Das Obst war süßer, die Wurst war würziger, das Fernsehen war besser, die Jugend höflicher, die Mädchen waren schöner, die Männer hilfsbereiter, die Preise niedriger, die Lage war stabiler.«
Der Rückblick auf den Sozialismus der Sowjetunion wirkte auf die Befragten wie ein wärmendes Feuer. Tatsächlich aber verbrannte die politisch aufgeladene Nostalgie später jede Chance auf eine bessere Zukunft.
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