Wirtschaftsforscher sehen Aufschwung in Deutschland, warnen aber davor, die Zahlen als Beginn eines neuen Wirtschaftsbooms zu verstehen
Die Wirtschaft in Deutschland hat nach schwierigen Jahren wieder Tritt gefasst. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Im kommenden Jahr sollen es 1,1 Prozent sein. Das ist deutlich mehr, als im Frühjahr prognostiziert wurde.
Nach den Gründen gefragt, verweisen die Ökonomen zunächst auf die Weltwirtschaft. Die zeige sich trotz des Kriegs am Persischen Golf erstaunlich robust. "Davon profitiert etwa die deutsche Exportwirtschaft, dahinter steht zum anderen aber auch der weltweite Boom bei Künstlicher Intelligenz ", sagt Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle bei der Vorstellung des aktuellen Gemeinschaftsgutachtens in Berlin.
Mehr Nachfrage aus dem Ausland gab es beispielsweise für chemische Produkte aus Erdöl und Erdgas, weil die Konkurrenz wegen der Sperrung der Straße von Hormus nicht liefern kann. Deutsche Unternehmen sind aber auch beim Aufbau von KI-Rechenzentren gefragt. Beispielsweise bei Ausrüstungsgütern für die Energieversorgung und Dienstleistungen im Bereich Information und Kommunikation. Treiber des Aufschwungs sind in nicht unerheblichem Maß auch die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung .
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Es ist ein Aufschwung, der nach Ansicht der Forscher allerdings nicht von Dauer sein wird. Für 2028 erwarten die Institute nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent. "Die Wachstumskräfte schwinden weiter", sagte Stefan Kooths vom Kieler Forschungsinstitut IfW. Hohe Energiepreise , Fachkräftemangel, eine alternde Gesellschaft und die seit Jahren schwache Investitionstätigkeit vieler Unternehmen bremsten das Wachstum. Die Institute warnen deshalb davor, die jüngsten positiven Zahlen als Beginn eines neuen Wirtschaftsbooms zu missverstehen.
In dieser Situation spielt die Bundesregierung eine entscheidende Rolle. Die Koalition aus den konservativen Parteien CDU/CSU und den Sozialdemokraten hat sich entschieden, massiv in die Modernisierung der Infrastruktur und in die Bundeswehr zu investieren.
Die zusätzlichen Ausgaben helfen kurzfristig dabei, Aufträge für Unternehmen zu schaffen und Arbeitsplätze zu sichern. Zugleich sollen Investitionen in Straßen, Schienen, digitale Netze und militärische Ausstattung Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Die Wirtschaftsforscher erkennen die konjunkturstützende Wirkung dieser Ausgaben durchaus an. Gerade in einer Zeit, in der Verbraucher ihr Geld zusammenhalten und viele Unternehmen Investitionen aufschieben, wirkt der Staat als wichtiger Wachstumsmotor. Doch genau an diesem Punkt beginnt auch die Kritik der Ökonomen. Denn die Ausgaben sind über Schulden finanziert.
Das staatliche Defizit steigt nach den Prognosen von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028. Gleichzeitig wachsen die Zinslasten des Staates. Immer größere Teile des Haushalts müssen künftig für die Bedienung von Schulden aufgewendet werden.
"Aufschwung mit Strukturproblemen - Finanzpolitik auf Abwegen" ist das Gemeinschaftsgutachten überschrieben.
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