Wegen neuer Notfallreform - Wepper-Witwe macht Druck auf Politiker
München (Bayern) – Sie hat selbst erlebt, wie schnell aus einer Infektion ein Kampf ums Leben werden kann. Deshalb lässt Susanne Kellermann (52), Witwe von Schauspiel-Legende Fritz Wepper (†82), dieses Thema nicht mehr los. Jetzt schlägt sie in BILD Alarm.
Der Grund: die neue Notfallreform von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (49, CDU), die der Bundestag vergangenen Donnerstag beschlossen hat. Patienten sollen künftig u.a. durch verbindliche und digital unterstützte telefonische Ersteinschätzungsverfahren schneller an die richtige Anlaufstelle vermittelt werden.
Was Susanne Kellermann dabei fehlt: das Thema Sepsis! Die Regisseurin und Fotografin zu BILD: „Eine Sepsis ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall, dessen Symptome häufig unspezifisch sind. Fieber, starke Abgeschlagenheit oder ein ungewöhnlich schweres Krankheitsgefühl können zunächst wie ein gewöhnlicher Infekt erscheinen.“ Genau darin sieht sie die Gefahr einer telefonischen Ersteinschätzung. Ihre Sorge: Eine lebensbedrohliche Sepsis könnte zu spät erkannt werden.
Kellermann weiß, wovon sie spricht. Ihr Mann Fritz Wepper erkrankte mehrfach an einer Sepsis. 2011 erlitt der „Derrick“- und „Um Himmels Willen“-Star nach einer Infektion eine schwere Blutvergiftung. Ende 2023 kam er erneut mit einer Sepsis in eine Münchner Klinik. Von den Folgen seiner Erkrankungen hatte er sich nie vollständig erholt. Am 25. März 2024 starb Wepper mit 82 Jahren in einem Hospiz.
Seine Witwe machte aus den schmerzhaften Erfahrungen eine Aufgabe. Im Juli initiierte sie den ersten Bayerischen Sepsis-Gipfel mit, anschließend gründete sie die Fritz-Wepper-Stiftung. Ihr Ziel: Menschen über die oft unterschätzte Gefahr aufzuklären und dafür zu sorgen, dass eine Sepsis früher erkannt wird. Wie entscheidend das sein kann, zeigen auch prominente Fälle: Schauspieler Til Schweiger erkrankte 2024 mit 60 Jahren an einer Sepsis. Erst vor wenigen Wochen kämpfte Claudia Effenberg (61) nach einer schweren Lungenentzündung zusätzlich gegen eine Blutvergiftung.
Aktuelle Schätzungen der Sepsis-Stiftung gehen von mehr als einer halben Million Erkrankungen und mindestens 140.000 sepsisbedingten Todesfällen jährlich in Deutschland aus. Die tatsächliche Größenordnung ist allerdings umstritten, weil unterschiedliche Erfassungsmethoden zu deutlich verschiedenen Zahlen führen.
Auch Dr. Tobias Plein (37), Intensivmediziner und Mitglied im Stiftungsrat der Wepper-Stiftung, warnt: „Standardisierte Abfragealgorithmen können helfen, Warnzeichen einer Sepsis bereits am Telefon zu erkennen. Allerdings gibt es bis heute kein Screeningverfahren, das eine Sepsis zuverlässig ausschließen kann.“
Kellermanns Forderung an die Politik ist eindeutig: Eine mögliche Sepsis muss bei der telefonischen Ersteinschätzung immer mitgedacht werden. Bei einem Verdacht müsse eine unverzügliche persönliche medizinische Abklärung gewährleistet bleiben. Sie zu BILD: „Eine bessere Patientensteuerung darf nicht zulasten der Patientensicherheit gehen.“
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