Frankreich: Neue Vorwürfe gegen wegen hundertfachen Missbrauchs verurteilten Arzt
Mehr als ein Jahr nach seiner Verurteilung wegen hundertfachen Missbrauchs in Frankreich sind neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Chirurgen Joël Le Scouarnec aufgetaucht. Dem 75-Jährigen werden 40 weitere sexuelle Übergriffe und zehn Vergewaltigungen vorgeworfen, teilte Staatsanwältin Laetitia Mirande in Lorient mit. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein.
Während des früheren Prozesses seien »Hinweise auf weitere Straftaten aufgetaucht oder bestätigt worden«, sagte Mirande. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft weitere Anzeigen erhalten. Mirande zufolge sollen sich die mutmaßlichen Missbrauchstaten in den Jahren 1987 bis 2017 ereignet haben und 48 Personen betreffen. Die Vorwürfe seien noch nicht verjährt.
Ein französisches Gericht hatte den 78-Jährigen im vergangenen Jahr wegen des Missbrauchs von 299 meist minderjährigen Patientinnen und Patienten zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Opfer, die er unter Narkose im Krankenhaus missbraucht hatte, waren im Schnitt elf Jahre alt. Der Arzt hatte im Prozess 111 Vergewaltigungen und 189 sexuelle Übergriffe gestanden.
Der Chirurg hatte in rund zwölf verschiedenen Krankenhäusern im Westen Frankreichs gearbeitet. Die Opfer und ihre Familien prangerten während des Verfahrens im vergangenen Jahr öffentlich das Versagen der lokalen und nationalen Gesundheitsbehörden an. Obwohl manche seiner Chefs und Kollegen wussten, dass er bereits früher wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden war, behinderte dies nicht seine Karriere.
Es war einer der größten Prozesse um sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung an Minderjährigen in der Geschichte des Landes. Ermittler waren auf den Ex-Chirurgen aufmerksam geworden, als sie bei einer Hausdurchsuchung im Zuge eines anderen Verfahrens Tagebücher des Arztes fanden.
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