Sportökonom will Revolution: Schreyer über Fußball der Frauen: "Oder wir schaffen Stadien ganz ab"
Keine regelmäßigen Heimspiele, stattdessen täglich Frauenfußball im Free-TV: Sportökonom und ntv-Kolumnist Dominik Schreyer schlägt einen zentralen TV-Spielort für die Liga vor. Mehr Aufmerksamkeit, neue Geschichten. Doch was bleibt vom Verein, wenn das Heimspiel verschwindet?
ntv.de: Herr Schreyer, die neu gegründete Bundesliga der Frauen, die FBL, hat ihre TV-Rechte ausgeschrieben. Dabei stehen zwei unterschiedliche Konzepte zur Wahl. Eines davon beinhaltet mögliche Playoffs am Saisonende.
Dominik Schreyer: Herr Uersfeld, das ist doch total spannend. Hier wird mit verschiedenen Optionen darüber nachgedacht, wie man das Spiel revolutionieren kann. Es heißt oft: Der Fußball der Frauen ist zu nah am Fußball der Männer. Mit den Playoffs werden gewissermaßen neue Wege gegangen. Aber …
Dominik Schreyer ist Professor für Sportökonomie an der WHU – Otto Beisheim School of Management und leitet dort das Center for Sports and Management (CSM). In seiner Forschung fokussiert er sich insbesondere auf die empirische Analyse der Stadionnachfrage, etwa das No-Show-Verhalten von Fußballzuschauern und Wachstumspotenziale im Frauensport. Er hat unzählige in internationalen, peer-reviewten Fachzeitschriften veröffentlicht und berät regelmäßig Sportvereine zu Stadionthemen. Bei ntv.de präsentiert er monatlich neue Ideen.
Der Idee fehlt die Überzeugung, der Idee fehlt die Strategie. Hier wird einfach gesagt: Wir wollen die Umsätze maximieren. Womit? Das ist erst mal egal.
Natürlich. Doch die Entscheidung wird dem Markt überlassen. Nur das höchste Gebot ist natürlich nicht automatisch das stärkste Produkt von morgen.
Leuchtturmspieltage und Konferenzen sind Teil des Konzepts. Das ist hart an den Fußball der Männer angelegt. Übertragen auf die FBL: Kann damit etwas bewegt werden?
Wir haben auch in den vergangenen Jahren immer wieder Leuchtturmspiele gehabt. Zum Auftakt der Saison 2024/2025 kamen zum Eröffnungsspiel der Frauen des FC Bayern rund 57.000 Zuschauer. Es kann funktionieren. Punktuell. Das Problem ist der Spillover-Effekt. Also die Frage danach, ob die 57.000 Menschen zurück auf den Bayern-Campus gehen. Dort passen in etwa 2.500 Zuschauer rein. Diese Spiele in der Allianz Arena, im Volksparkstadion in Hamburg ergeben kurzfristig Sinn. Aber alle warten natürlich auf den Tag, an dem wir die Frauen von Borussia Dortmund im Signal-Iduna-Park …
… im Klassiker gegen die Frauen des FC Bayern, im Derby gegen die Frauen des FC Schalke 04 sehen.
Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Aktuell spielt der BVB mit der DFB-Legende Alexandra Popp in der Regionalliga und trägt die Spiele in der alten Roten Erde aus. Die Infrastruktur im Fußball der Frauen ist grundsätzlich wenig modern. Nur wenige Klubs haben eigene Stadien für die Frauen. Der Komfort fehlt.
Der fehlt nicht nur den Zuschauern, sondern auch mit Blick auf Hospitality. Das sind Angebote, die geschaffen werden müssen, weil sie ökonomisch relevant sind. Aber auch wenn spezifische Stadien oder Arenen für Frauen mit einer Kapazität von, sagen wir, 15.000 Zuschauern geschaffen werden, stehen wir weiter vor einem Problem. Auch die müssen gefüllt werden.
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