Mundgeruch: Was die Geruchsnote über die Ursache verrät – und was wirklich dagegen hilft
Etwa jeder Dritte bis Vierte in Deutschland hat regelmäßig Mundgeruch. Die meisten wissen es nicht. Zahnärzte hingegen wissen es sehr wohl – wir verbringen unser halbes Berufsleben in der direkten Einflugschneise Ihres Atems.
Und wir gehen dem Geruch mit einem Instrument nach, das jeder besitzt: der eigenen Nase. Denn faulig, süßlich, sauer oder metallisch – die Note gibt einen Hinweis darauf, aus welcher Etage des Körpers das Signal kommt. Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen ist es der Mund selbst. Und da können Sie eine Menge tun.
Moritz Göde ist Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie und Standortleiter von „California Smile“ in Grafing bei München. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle .
Sich in die hohle Hand zu hauchen bringt nichts – die eigene Nase hat sich an den eigenen Geruch längst gewöhnt. Diese beiden Tests funktionieren trotzdem allein, weil Sie nicht Ihren Atem riechen, sondern den Belag:
Der Löffeltest: Mit einem Teelöffel oder Zungenschaber sanft über den hinteren Zungenrücken ziehen, 30 Sekunden warten, dann daran riechen. Riecht es unangenehm, ist die Zunge der Herd – und das ist der mit Abstand häufigste Fall.
Der Zahnseidetest: Ein Stück Zahnseide zwischen den hinteren Backenzähnen durchziehen und daran riechen. Faulig? Dann sitzen Speisereste oder eine Zahnfleischentzündung dahinter – ein Fall für den Zahnarzt.
Wer es genauer wissen will, macht das, was auch in der Sprechstunde passiert – am besten mit einer Person, der man vertraut. Und die einen sehr liebt.
Test 1: Wie stark ist es? Sie zählen laut bis zehn oder sprechen ein langes „Aaa“, Ihr Gegenüber kommt dabei langsam näher. Riecht es schon aus einem Meter Entfernung, ist der Mundgeruch deutlich und beeinflusst den Alltag. Ab 30 Zentimetern: mittel. Erst ganz nah am Gesicht: schwach – und ehrlich gesagt kein Problem, das andere im Alltag bemerken. Der Test beantwortet also auch die Frage, ob Sie überhaupt einen haben.
Test 2: Wo kommt es her? Vier kleine Varianten, die grob verraten, in welcher Etage die Ursache sitzt:
Test 3: Wonach riecht es? Jetzt zur eigentlichen Detektivarbeit – der Geruchsnote.
Die Übeltäter sind fast immer Bakterien, die ohne Sauerstoff leben und Eiweißreste zersetzen – Speisereste, abgestorbene Zellen, Speichelbestandteile. Dabei entstehen Schwefelgase, die exakt so riechen, wie man es sich vorstellt: nach faulen Eiern und verrottetem Kohl. Einer der Stoffe, die morgens dabei entstehen, heißt sogar Cadaverin – nach dem lateinischen Wort für Leichnam. Guten Morgen auch!
Diese Bakterien lieben Verstecke, in die weder Zahnbürste noch Speichel gut hinkommen . Rund zwei Drittel der geruchsbildenden Beläge sitzen auf der Zunge, vor allem im hinteren Bereich – der Rest verteilt sich auf Zahnfleischtaschen, kariöse Löcher und die Zwischenräume der Backenzähne. Alles, was den Speichelfluss senkt, verstärkt das Problem:
Speichel ist die natürliche Spülung des Mundes – fehlt er, feiern die Bakterien.
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