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Kompliment der Gen-Z-Kollegin - „Du siehst echt fotzig aus!“ Wie bitte?!?

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Kompliment der Gen-Z-Kollegin - „Du siehst echt fotzig aus!“ Wie bitte?!?

Hallo, mein Name ist Katharina, ich bin 43 Jahre alt und seit heute Morgen fotzig. Sagen jedenfalls meine Gen-Z‑Kolleginnen Jenna (27) und Michèle (28). Ob Sie es glauben oder nicht: Das ist offenbar etwas Gutes.

Ich stand am Kaffeeautomaten, fühlte mich mit meinem Leo-Outfit ziemlich jung geblieben, als eine meiner jungen Kolleginnen mich musterte und sagte: „Du siehst heute echt fotzig aus!“

Bitte, was? Habe ich mich verhört? Nein, es war nicht „fetzig“, da war definitiv ein o. Wo, bitteschön, geht’s hier zur Compliance-Abteilung? Statt einer Beschwerde entschied ich mich dann aber für das naheliegendste Mittel der generationsübergreifenden Kommunikation: verständnisloses Gucken, kombiniert mit einem freundlichen „Hä?“.

Die jungen Kolleginnen versicherten sofort: Nein, nein, nein! Fotzig sei gut. Richtig gut sogar. Fotzig sei selbstbewusst. Frech. Sexy. Cool. Ein bisschen provokant. Das Gegenteil von: „Flotter Hosenanzug, Katharina. Meine Mama hat auch so einen.“ You know?

Zurück am Schreibtisch fühlte ich mich trotzdem nicht ausgezeichnet. Eher wie jemand, der gerade erfahren und nicht kapiert hat, dass eine vormals schwere Beleidigung außer Betrieb genommen wurde. Wenig später kam eine Mail. „OH GOTT, KATHARINA“, begann sie in Versalien. Meine Kollegin entschuldigte sich „ganz doll“. Eigentlich habe sie sagen wollen, ich sehe „total kess“ aus. Endlich mal ein Adjektiv, das ich verstand. Allerdings habe bei ihr die „jahrelange Hirnerweichung durch endloses Scrollen“ dafür gesorgt, dass ihre Zunge einen Social-Media-Begriff ungefiltert in die echte Arbeitswelt entlassen habe.

Zu ihrer Ehrenrettung und meiner Erhellung schickte sie Links zu einem kulturwissenschaftlichen Unterbau für fotzig mit. Ich weiß jetzt: Fotzig ist so etwas wie die eingedeutschte Variante von cunty. Ein Wort, das sich Frauen zurückerobert haben. Die Rapperin Ikkimel etwa mache Fotzenrap – pures Womenempowerment. Wer fotzig ist, ist selbstbewusst, lässt sich nichts vorschreiben und sieht dabei im Idealfall auch noch ziemlich gut aus.

Ach so, ich war also wirklich nicht beleidigt worden. Man hatte mich quasi zur Queen -Mum der Redaktions-F... ernannt. Kraaaaass! Iconic! Oder?

Das Problem ist: Mein Gehirn ist noch nicht so weit. Ich fürchte, spätestens jetzt ist der Moment, an dem ich merke, dass ich nicht mehr zur jüngsten Generation im Büro gehöre und ein Leo-Anzug rein gar nichts dagegen ausrichten kann. Ich hatte so einen Moment bereits vergangene Woche, als mein Instagram-Algorithmus mir reinspielte, wie meine jungen Kolleginnen im Büro mich sehen: als Stifflers Mom. Als ich ihnen lachend davon erzählte, erntete ich irritierte Blicke. „American Pie“ kam 1999 in die Kinos. Da waren beide gerade geboren …

Ich stelle mir vor, wie diese sprachliche Entwicklung nun weitergeht. Vielleicht komme ich demnächst morgens ins Büro und jemand sagt: „Katharina, du siehst heute richtig besch… aus.“ Und ich strahle: „Oh Gott, danke, ihr Süßmäuse!“

Das eigentlich Schöne daran ist aber: Sprache verändert sich. Ständig. Unsere Eltern haben sich vermutlich auch gefragt, warum wir Dinge plötzlich geil fanden, obwohl das Wort lange etwas ganz anderes bedeutete.

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