Insolvenzen, Schließungen - 500 Kliniken am Rand der Existenz
Prüm/Brake – Rund 1800 Krankenhäuser gibt es noch bundesweit – mit stark sinkender Tendenz. Viele Kliniken kämpfen um ihre Existenz. Wie dramatisch die Situation ist, zeigen zwei aktuelle Beispiele aus dem Westen und dem Norden des Landes.
• Das St.-Josef-Krankenhaus in Prüm ( Rheinland-Pfalz ) befindet sich in Insolvenz in Eigenverwaltung. „In Deutschland gibt es an die 500 Krankenhäuser, die in einer vergleichbaren Lage sind“, sagte Geschäftsführer Michael Wilke dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ . Im September berät der Kreistag, ob der Landkreis Bitburg-Prüm als künftiger Träger die Klinik übernimmt, sollte die Josefs-Gesellschaft gAG aussteigen. Die Übernahme durch die öffentliche Hand wäre die letzte Möglichkeit, denn: Als Einrichtung der medizinischen Grundversorgung darf das Krankenhaus nicht geschlossen werden. Und private Betreiber ziehen sich aus Wilkes Sicht immer häufiger zurück.
Wieso die kleine Klinik (450 Mitarbeiter) im ländlichen Raum in finanzielle Schieflage geriet, erklärt Wilke im „Kölner Stadt-Anzeiger“ so: „Wir haben mit St. Josef etwa 5200 bis 5300 stationäre Patienten pro Jahr, so viele hat ein größeres Haus wie etwa das Brüderkrankenhaus in Trier schon in einer Fachabteilung.“ Trotzdem müsse das Haus rund um die Uhr Personal bereithalten – Kosten, die durch die laufenden Einnahmen nicht gedeckt werden könnten. Die Probleme aus Wilkes Sicht: Die Finanzierung wurde zu sehr marktwirtschaftlich ausgerichtet, die demografische Entwicklung wurde nicht vorbereitet.
• Noch schlimmer ist die Situation in Brake (Landkreis Wesermarsch) in Niedersachsen . Dort musste vor gut einer Woche das St. Bernhard Hospital nach einjähriger Insolvenz schließen, 350 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. „Was wir in Brake und an vielen anderen Standorten sehen, ist kein gesteuerter Reformprozess, sondern das Ergebnis eines politischen Aussitzens“, kritisiert Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bund Niedersachsen.
Sein Stellvertreter Andreas Hammerschmidt warnt vor einer gefährlichen Kettenreaktion: „Kliniken lassen sich nicht isoliert betrachten – das System ist ein engmaschiges Netz. Fällt ein Baustein unvorbereitet weg, steigt der Druck auf umliegende Häuser massiv, ohne dass dort die nötigen Kapazitäten oder Investitionsmittel bereitstehen.“ Strukturwandel dürfe nicht bedeuten, „Überlastungsprobleme an Notaufnahmen und Stationen weiterzureichen“.
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.bild.de — der Inhalt gehört Bild.